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Neuere Stahlschienen.
vielseitige Verwendung (Abb. 121). Der leitende Gedanke bei Ausführung dieser Doppel
kopfschiene war der ihrer zweifachen Ausnutzung. War der obere Kopf abgenutzt, so sollte
die Schiene gewendet werden und der bis dahin untere, genau gleiche Kopf als Lauffläche
dienen. Es zeigte sich aber im Laufe der Jahre, daß mit einem Verschleiß des oberen
Kopfes gleichzeitig ein Verdrücken des unteren an den Stuhlauflagerflächen vor sich ging.
Das Wenden mußte unterbleiben, und mit der erhofften doppelten Betriebsdauer war es
nichts. Aber man hatte jetzt doch eine sehr widerstandsfähige Schiene, die dem größeren
Lokomotivgewicht und der höheren Fahrgeschwindigkeit besser zu widerstehen vermochte, als
die anderen bis dahin in England erprobten Formen. Die doppelköpfige Schiene, wegen
ihrer Auflagerung in Stühlen auch kurz Stuhlschiene genannt, fand nunmehr ausgedehnte,
schließlich fast alleinige Benutzung auf den Bahnen jenes Landes.
Um an Eisen zu sparen, gab man in der Folge den Schienen nur einen Fahrkopf,
der stärker war als der untere, in den Stühlen anfruhende Kopf, und gelangte so zu der
noch heute üblichen ungleichen doppelköpfigen Schiene, der bull lieaded oder Ochsenkopf
form. Abb. 122 zeigt sie in neuerer Ausführung im Verein mit den beiden die Ver
bindung der Schienenenden bewirkenden Laschen.
Das aus das laufende Meter entfallende Gewicht und die heute übliche Länge der allgemein
aus Stahl gefertigten Schienen verschiedener Eiseubahnländer ergibt nachstehende Übersicht:
Bahnverwaltung und Jahr der
Einführung
Gewicht von
1 lfd. m Schiene
m kg
Schienenlänge
m
Preußische Staatsbahnen 1885 . .
33,4
41,0
12
„ „ 1891*, .
12
„ „ 1895*) .
43,4
15
Sächsische „ 1896. .
46,0
10 it. 15
Gotthardbahn 1894**,
46,4
12
Holländische Eisenbahnen 1891 . .
47,0
12
Belgische Staatsbahnen 1887 . .
o2,7
9
Paris-Lyon-Mittelmeer 1889 . .
47,0
12
New York-Central 1892 ....
49,7
9,15
London und North Western***) .
44,6
9,16
Londoner Untergrundbahnen (Di-
strikt,***)
43,2
9,15
Midlandbahn (England)***) 1896
49,7
11
Drr Schienenffotz.
Laschen. Die ersten gußeisernen Schienen waren mit den unmittelbar auf den
Steinwürfeln oder Schwellen ruhenden Enden nur mit diesen, nicht aber untereinander
verbunden. Ais man gußeiserne Anflagerstühle einführte, dienten diese zugleich als Ver
bindungsmittel der Schienenenden (Abb. 106). Die Schienenstöße ivaren also unmittelbar
unterstützt. Diese Anordnung wurde „fester" oder „ruhender" Stoß genannt. Man
behielt ihn auch bei den Walzschienen lange Jahre bei. Die ersten Breitfußschienen
wurden bereits von Stevens durch flache Eisenstücke, Laschen genannt, und Schraub
bolzen miteinander verbunden. Ihr Stoß war durch eine Schwelle unmittelbar unterstützt.
Im Jahre 1847 führte Bridges Adams den „schwebenden" Stoß (Abb. 123)
ein. Die auf beiden Seiten der Schienen eingelegten Laschen waren mit den Schienen
enden nicht weiter verbunden, wurden vielmehr durch die beiden Stühle gehalten. Die
Schienen konnten sich hierbei zwar ungehindert ausdehnen und zusammenziehen, aber man
hatte einen besonderen Laschenstuhl nötig, was unbequem war. Barlow verband deshalb
später die Laschen mit den Schienen durch vier Schraubbolzen. Die Schienenlöcher wurden
der genannten Schienenbewegung wegen größer gemacht als die Laschenlöcher. Schließlich
*) Bis jetzt nur auf wenigen Schnellzugstrecken mit besonders starkem Verkehr verlegt,,
aber nach den Parlamentsverhandlungen vom Frühjahr 1899 für 17 000 km Hauptstrecke in .luv
sicht genommen. , ..
**) In den Tunnels wird der stärkeren Rostbildung wegen eine 48,5 kg/m iqwere
Schiene verlegt.
***) Stuhlschieneuoberbau.