Full text: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

2. Wesen und Aufgaben der Handelshochschule. 
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Kaufmännische Fortbildungsschulen finden sich, nachdem ihre Wichtigkeit fast 
iiberall erkannt ist, jetzt in allen Städten von einiger Bedeutung. In Preußen wurden 
im Anfang des Jahres 1902 244 selbständige Anstalten, davon 146 mit Schulzwang 
gezählt, dazu kommt noch eine große Zahl von kaufmännischen Fachklaffen, die an 
gewerbliche Fortbildungsschulen angegliedert sind; Bayern hatte 1899/1900 10 kauf 
männische Fortbildungsschulen als Nebenanstalten der Realschulen und 10 selbständige 
kaufmännische Fortbildungsschulen, Sachsen 1900: 47, Württemberg 18, Baden (1902): 
28, Braunschweig: 10, Oldenburg: 4. 
Landelsfachschulen besitzen alle größeren Städte, so Berlin, Leipzig, Chemnitz, 
Dresden, Bautzen, München, Nürnberg, Frankfurt a. M., .Hannover, Köln, Düssel 
dorf, Koblenz, Krefeld, Dortmund u.a. O. Staatliche Landelsfachschulen für Mädchen 
sind in Posen und Rheydt (Regierungsbezirk Düsseldorf) als besondere Abteilungen 
der dort bestehenden „Königlichen .Handels- und Gewerbeschulen für Mädchen" ein 
gerichtet worden. 
In den letzten Jahren ist zu den bestehenden Ausbildungsanstalten für Kaufleute 
noch eine neue Gattung, die „Landelshochschule", hinzugekommen, die angehenden 
Großkaufleuten und Großindustriellen, Landelsschullehrern, Verwaltungs-, Konsular-, 
Bankbeamten, Landelskammersekretäre» usw. eine weiter- und tiefergehende fachliche und 
volkswirtschaftliche Ausbildung verschaffen soll, als dies auf den obenerwähnten Landels- 
lehranstalten üblich und möglich ist. Das Schwergewicht in diesen Lochschulen soll 
nicht sowohl in der Übermittelung kaufmännisch-technischer Kenntnisse und Fertigkeiten, 
als in einer „allgemeinen Schulung des Geistes" liegen. Sie wollen die geistigen 
Fähigkeiten im Kaufmann erwecken und entwickeln, damit er das ganze geschäftliche 
Gctticbc irr der Volks- und Weltwirtschaft klar erkennen, in seinen Arsachen und 
Wirkungen verstehen und sicher beurteilen lerne; den Beamten soll namentlich das Ver 
ständnis für die wirtschaftlichen Verhältnisse der Kaufleute und Industriellen, sowie 
für ihre Aufgaben und Bedürfnisse erschlossen werden. Zugleich ist beabsichtigt, durch 
diese „akademische Bildung" die gesellschaftliche Stellung des Kaufmannsstandes zu 
heben und seine politische Bedeutung und seinen Einfluß im öffentlichen Leben zu erhöhen. 
Die Vorlesungen erstrecken sich auf Volkswirtschaftslehre, Landelsgeschichte und Landels- 
geographie, Landelsrecht im weitesten Amfange, die Lehre von der Organisation und 
dem Betriebe kaufmännischer Geschäfte und von den technischen Verrichtungen des 
Kaufmanns (Landelsbetriebslehre), das Gewerberecht, Finanzwissenschaft, Bank-, Börsen-, 
Geld-, Kreditwesen, Staats- und Verwaltungsrecht und ähnliches. Die ersten Landels- 
hochschulen sind in Leipzig (1898, in Verbindung mit der Aniversität), Aachen (1898, 
im Anschluß an die technische Lochschule), 1901 in Köln und Frankfurt a. M. (als 
selbständige Anstalten) begründet worden. Als Vorbildung wird in der Regel die 
Einjährig-Freiwilligen-Berechügung, in Aachen das Abiturientenexamen einer ncun- 
klassigen Lehranstalt verlangt. Ausreichende Erfahrungen über die Bewährung dieser 
neuen Schulgattung liegen noch nicht vor. 
2. Wesen und Aufgaben der Handelshochschule. 
Von Lermann Schumacher. 
Schumacher, Rede bei der Feier der Eröffnung der Städtischen Handelshochschule in 
Köln, am >. Mai lyoi. In: Die Städtische Kandelshochschule in Köln. <*. Ausl. Berlin, Julius 
Springer, W)3. S. \2— 
Während der Bildungswert der kauftnännischen Lehrzeit, dieser bisherigen hohen 
Schule kaufmännischen Könnens, in unaufhaltsamem Sinken begriffen ist, steigt das 
Bildungsbedürfnis beständig. 
Mol lat. Volkswirtschaftliches Lesebuch. iq
	        
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