Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

3.  Die  Fabrik.

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3.  endlich  werden  die  Großindustrien  von  den  staatlichen  Maßnahmen  vermöge
der  größeren  Intelligenz,  der  größeren  Vermögen  und  der  rascheren  Orientierung  ihrer
Leiter  stets  einen  viel  stärkeren  Gebrauch  machen  als  die  kleinen.  Ausstellungen,  gewerbliches ­
  Llnterrichtswesen,  Muster-  und  Markenschutz,  Privilegien,  Patente  usw.,  die
formell  nicht  der  Großindustrie  allein  dienen,  werden  doch  ihr  in  stärkerem  Maße
zugute  kommen.
So  ist  das  Fabrikswesen  durch  innere  und  äußere  Momente  im  19.  Jahrhundert
mächtig  gefördert  worden.  Die  als  Fabriken  zu  bezeichnenden  Llnternchmungen  haben
nicht  nur  an  Zahl  bedeutend  zugenommen:  es  ist  auch  eine  innere  Entwicklung  bemerkbar,
welche  für  die  ganze  volkswirtschaftliche  Organisation  wichtig  geworden  ist.  Es  sind
den  einfachen,  dem  Landwerk  gegenüber  als  Großbetriebe  zu  bezeichnenden  Fabriken
fabriksmäßige  Großbetriebe  entgegengetreten,  welche  die  ersteren  an  Intensität  der  Arbeitsteilung ­
  und  Arbeitsvcreinigung,  in  der  quantitativen  und  qualitativen  Bedeutung  der
angewendeten  Maschinen  und  Apparate,  in  der  Zahl  der  beschäftigten  Arbeitskräfte,
in  der  Größe  des  angelegten  Kapitals  und  in  der  ganzen  Organisation  um  ein
Bedeutendes  überragen.  Die  Weiterbildung  der  Fabriksbetricbe  geschieht  nicht  nur
durch  eine  gesteigerte  Anwendung  derjenigen  Mittel,  durch  welche  die  Fabrik  das
Landwerk  übertrifft;  sie  bedient  sich  auch  neuer  Mittel.  Solche  sind:  die  Spezialisaüon
des  Betriebes,  die  Kombination  mehrerer  Betriebe,  die  Abgabe  der  kaufmännischen
Funktion  der  Bettiebsleitung  an  selbständige  Unternehmungen,  die  örtliche  Zusammensaffung
  von  Fabriksbetrieben  und  endlich  ihre  Vereinigung  in  Gemeinschaftsorganisationen,
wie  Kartelle  und  Trusts.
Die  Spezialisation  ist  Beschränkung  der  Produttion  auf  Artikel  von  geringer
Verschicdenartigkeit.  Sie  gewährt  alle  Vorteile  der  Verbilligung  und  Vervollkommnung
einer  stets  in  gleicher  Richtung  vor  sich  gehenden  Arbeit.
Die  Kombination  mehrerer  Betriebe  liegt  dann  vor,  wenn  verschiedene  Produttionsstufen ­
  von  einer  Unternehmung  zusammengefaßt  werden;  wenn  z.  B.  zu  einem
Stahlwerk  ein  Lochofen,  zu  diesem  Erzgruben  und  Kohlenbergwerke,  Koksfabriken  und
dgl.  hinzutteten,  also  Roh-  und  Lilfsstoffe  der  Ganzfabrikation  in  eigenen  Betrieben
für  den  Eigenbedarf  gewonnen  oder  die  Abfallstoffe  der  Produttion  selbständig  verwertet ­
  werden.  Dadurch  gewinnt  der  Unternehmer  nicht  nur  die  Sicherheit  guter
Qualität  seiner  Roh-  und  Lilfsstoffe,  die  Unabhängigkeit  von  Störungen,  er  spart  auch
alle  über  die  Produktionskosten  hinausgehenden  Kosten  eines  Kaufes  zu  Marktpreisen.
'  Durch  die  Trennung  der  kaufmännischen  Aufgaben  des  Einkaufes  von
Rohstoffen,  des  detaillierten  Verkaufes  von  Produtten  wird  die  Leitung  entlastet  und
kann  sich  mit  größerer  Energie  der  technischen  Aufgabe  zuwenden.
Durch  die  örtliche  Zusammenfassung  von  Fabriken  (Maschinenindustrie  und
Baumwollenindustrie,  Spinnerei  und  Weberei)  werden  Transportkosten  gespart,  Fortschritte ­
  der  Technik  rasch  ausgenützt,  wird  Spezialisierung  erleichtert.
In  den  Kartellen  und  Trusts  endlich  treten  Vereinbarungen  auf,  welche
monopolistisch  die  Fabrikation  bestimmter  Produktionszweige  beherrschen.*)
Linker  Anwendung  dieser  Mittel  sind  mächtige  Unternehmungen  entstanden,  welche
Tausende  von  Arbeitern  beschäftigen,  technische  Anstalten  der  verschiedensten  Art  in
Betrieb  setzen  und  einen  Verkehr  mit  allen  Weltteilen  entfalten.  Solche  Llnternehmungen
können,  auch  wenn  sie  einem  Eigentümer  gehören,  nicht  mehr  von  einem  einzelnen
geleitet  werden;  die  Leitung  ist  einer  Mehrzahl  von  Angestellten  anverttaut,  deren
Interesse  am  Betrieb  nicht  mehr  durch  einen  Anteil  am  Vermögen,  sondern  durch
andere  Verbindungen  sichergestellt  wird.  Wie  in  einer  staatlichen  Verwaltung  wird

*)  s.  die  Aufsätze  von  Ludwig  Pohle,  tsciiry  voelcker  und  Robert  Liefmann
5.  m—W.  —  <8.  M.
            
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