Full text: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Die Bodenreform im Lichte des Freihandels. 99 Grundrenten fassen müssen, niemand aber wird seinen Groll weiter über die geistig so herzlich unbedeutenden Boden spekulanten auslassen. Aber jeder wird es komisch finden, daß ein Verein allen Ernstes die Forderung in sein Pro gramm stellen konnte, diese Ausbeutung dadurch zu be seitigen, daß man die heute steigenden Grundrenten für das Gemeinwesen durch ein Gesetz einzöge, statt sie den Privaten zu überlassen. Es ist dies ein Kardinalirrtum, eine Methode, die an den Symptomen laboriert, ohne nach der tieferen Ursache zu forschen. Man hätte finden müssen, daß die Steigerung der städtischen Grundrente nur eine Folge des zunehmenden Latifundienbesitzes und des krank haften Zuges der Landbevölkerung zu den Städten ist. Nachdem es dem verschuldeten Bauern gelungen ist, sich wirtschaftlich zu stärken, hat eine Revision der Grundsteuer auflage zu erfolgen, welche alle Grundstücke nach dem Rein erträge gleichmäßig trifft. Sie hat so hoch zu sein, daß sie die Leistung der Naturkräfte voll für das Gemeinwesen ein zieht. Nach dem Sinken der Zollmauern ist die Monopol rente gefallen, sie strebt langsam dem Stande zu, welcher der natürlichen Leistung der Naturkräfte entspricht. Da durch werden die unverschuldeten Großgrundbesitzer ge zwungen, alles Land zu veräußern, welches mehr Raum ein nimmt, als sie bebauen können. Wälder, Weiden, Wiesen werden nach diesen Grund sätzen teils den Gemeinden, teils dem Staate zufallen. So' ist jede schablonenmäßige Ackerverteilung ausgeschlossen, da jeder nach seinen Leistungen beliebig Ackerland erwerben kann, wenn er nur die naturale Grundrente als Grundzins an das Gemeinwesen abgibt. Die naturale Grundrente in unserem Sinne wird aber erst dann rein in die Erscheinung treten, wenn der ganze Erdkreis ein weites Freihandels gebiet ist. Erst wenn auf diese Weise die kolossalen Schulden, welche
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