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auch für die Dynamik gilt, da, wie wir oben auseinanderzusetzen
versuchten, Schumpeter nach seiner Meinung mit zwei
generellen Erkenntnisobjekten arbeitet, so daß das, was für
die Statik zutrifft, nicht ohne weiteres auf die Dynamik an-
wendbar ist, sondern sich hier ein neuer Beweis nötig macht.
Einen solchen Beweis sucht nun Schumpeter — wir nehmen
das wenigstens an, denn ganz klar liegen hier, wie sich bald
zeigen wird, die Dinge nicht — zu führen, d. h. er sucht zu be-
weisen, daß auch für seine Dynamik, genau wie für die Statik,
sich der Zins mit Hilfe des dritten Grundes nicht als ein Agio
an konkreten Gütern erklären läßt. Diese Ausführungen
Schumpeters wollen wir jetzt etwas näher betrachten. Wir
möchten jedoch zuvor bemerken, daß die Haltbarkeit der
Schumpeterschen „dynamischen‘“ Zinstheorie nicht von
diesem Punkte allein abhängt, da sie bereits durch die anderen
kritischen Einwände gegenüber der Schumpeterschen Auf-
fassung über die Trennung von Statik und Dynamik und
gegenüber dem Synchronisierungsgedanken getroffen wird,
Erstens ist es unserer Ansicht nach gar nicht möglich, wenn
Schumpeter konsequent mit zwei generellen Erkenntnis-
objekten arbeiten würde, dynamische Erscheinungen zu erfassen,
da er hierzu der statischen Methode bedarf, Zweitens aber zeigt
sich, daß für Schumpeter infolge der sich notwendig machen-
den Begriffsverschiebung der Zins in der Depressionsperiode
existieren muß, da der Synchronisierungsgedanke, wenigstens
in der Auslegung wie wir ihn oben kritisierten, nichts zu leisten
vermag. Da aber jetzt Schumpeter auch’ in der Dynamik
mit der statischen Methode arbeitet, demnach jetzt für ihn die
Statik nur ein aus der Dynamik durch Abstraktion gewonnener
Begriff ist, also für die Dynamik demnach bereits das Zins-
phänomen erklärt ist, so erscheint es uns anfechtbar, wenn er
jetzt noch eine ganz andere, widersprechende Zinstheorie auf-
stellt.
Also, wenn wir es auch gar nicht nötig haben, den oben
erwähnten Gedankengang Schumpeters zu widerlegen, so
wollen wir ihn doch kritisieren, da die Resultate, zu denen
wir hierbei kommen, uns erstens später bei der Besprechung
des Kreditphänomens gute Dienste leisten und uns zweitens