Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

7.  Der  deutsche  Kaufmann  im  Zeitalter  der  Perücke.

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war.  Die  letzten  Tage,  die  den  Schiffahrtsvertrag  der  amerikanischen  und  deutschen
Gesellschaften  zu  allgemeiner  Kenntnis  brachten,  haben  wieder  einmal  gezeigt,  welch
feste  Stühe  wirtschaftlicher  Unternehmungsgeist  an  einer  starken  und  einsichtsvollen
Staatsgewalt  gewinnen  kann.  So  sind  unsere  Aussichten  im  Wettbewerbe  der  Völker
nicht  schlecht;  wir  dürfen  hoffen,  uns  zu  behaupten  und  unser  zu  nennen,  was  Fremden
nicht  gehören  darf.  Wer  aber  diese  glückliche  Lage  richttg  würdigen,  ihre  Voraussetzungen
und  Bedingungen  verstehen  will,  der  wird  wohl  tun,  die  „deutsche  Hanse"  nicht  außer
acht  zu  lassen.  Ihr  Name  darf  mit  Stolz  von  jedem  Deutschen  genannt  werden.

7.  Der  deutsche  Kaufmann  im  Zeitalter  der  Perücke.
Von  Georg  Steinhaufen.

Steinhaufen,  Der  Kaufmann  in  der  deutschen  vergangenbeit.  Leipzig,  Lugen  Diederichs,
(899.  S.  98  -  (09-Im
  15.  und  16.  Jahrhundert  hatte  das  in  erster  Linie  durch  die  Kaufleute  repräsentierte ­
  Bürgertum,  iin  Besitz  der  höchsten  geistigen  und  materiellen  Kultur  seiner
Zeit,  den  Ton  angegeben.  In  den  Städten  konzentrierte  sich  das  Leben;  die  Einwohner ­
  lebten  nach  dem  Wort  Aeneas  Sylvius'  besser  und  wohnten  stattlicher  als  die
Könige  Schottlands;  bürgerlich,  volkstümlich  war  der  gesellschaftliche  Ton  wie  die  Denkund
  Ausdrucksweise  auch  bei  den  Fürsten  und  beim  Adel,  —  alles  das  ändert  sich  jetzt.
Nicht  mehr  die  Städte,  sondern  die  zahlreichen  Löse  deutscher  Fürsten  werden  immer
mehr  die  Mittelpunkte  deutschen  Lebens.  Auch  in  der  Entwickelungsgeschichte  des
deutschen  Kaufmanns  zeigt  sich  das  in  mehrfacher  Beziehung.  Zunächst  ging  mit  der
Kraft  des  Bürgertums  —  den  letzten  Rest  gab  diesem  der  Dreißigjährige  Krieg,  der
andererseits  die  Stellung  der  zahlreichen  deutschen  Fürsten  noch  mehr  erhöhte,  —  der
Unternehmungsgeist,  die  Tatkraft  und  die  Unabhängigkeit  des  Kaufmanns  verloren.  Die
immense  wirtschaftliche  Schädigung  und  Zerstörung  durch  den  Dreißigjährigen  Krieg
konnte  zwar  in  den  alten  Mittelpunkten  des  Kandels  die  noch  aus  dem  vorigen  Jahrhundert ­
  stammenden  materiellen  Kräfte  nicht  vollends  untergraben;  gewisse  Grundlagen,
an  welche  ein  neuer  Aufschwung  anknüpfen  konnte,  blieben  durchaus  bestehen.  Ja,
wenn  man  auf  einen  allgemein  herrschenden  Wohlstand  nach  den  im  17.  Jahrhundert
in  fast  allen  Städten  immer  wieder  erlassenen  Ordnungen  gegen  den  allzugroßen  Auf->vand
  schließen  dürste,  so  könnte  von  einem  wirtschaftlichen  Rückgang  überhaupt  nicht
die  Rede  sein.  Aber  dieser  Luxus  ist  durch  und  durch  krankhaft.  And  wenn  wir  jene
Ordnungen  schon  im  16.  Jahrhundert  finden,  so  war  damals  eine  gewisse  Berechtigung
zu  solchen!  Luxus  noch  vorhanden,  jetzt  zeugte  er  von  Leichtsinn  schlimmster  Art.  Immerhin ­
  mochte  der  Kaufmannsstand  in  vielen  Orten  noch  am  ersten  dazu  die  Mittel  haben,  -
gerade  gegen  die  vornehmen  Kauftnannsfrauen  richten  sich  z.  B.  die  Kleiderordnungen
besonders  —  aber  auch  für  ihn  war  alles  andere  eher  am  Platz  als  Verschwendung,
die  dann  auch  nur  zu  häufig  zu  finanziellem  Ruin,  zum  Bankerott  führte.  Aus  solider,
aus  alten  Reichtuin  gegründeter  Pracht  wurde  bei  vielen  bald  unsolider  Prunk.  Dies
Gefühl  war  denn  wohl  auch  ein  sehr  wesentliches  Motiv  der  Obrigkeiten  zu  jenen
Verboten.  Leibniz  glaubte  noch  Nürnberg  als  Muster  der  Verständigkeit  anführen  zu
dürfen:  „Man  sehe  Nürnberg  und  einige  wenige  andere  Städte  an,  ob  nicht  darin
noch  die  alten  Trachten  gelten,  der  meiste  Luxus  beschnitten  und  dies  eine  große  Arsache ­
  ihres  noch  dauernden  Flores  ist".  1637  fand  ein  Franzose  die  Bürger  Hamburgs
            
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