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halb der einzelnen Ansiedlungen eine gemeinsame Küche und
eine gemeinsame Waschanstalt eingerichtet werden könnte.
Es handelt sich dabei keineswegs um gemeinschaftliche Mahl
zeiten, sondern darum, daß jede Familie die von ihr ge
wünschten Speisen gut zubereitet aus der gemeinsamen Küche
beziehen kann. Die Frauen würden dadurch entlastet, sie
könnten, soweit sie keine Kinder haben, auch dem wirtschaft
lichen Erwerbe nachgehen, und die Haushaltungskosten würden
sich jedenfalls für die einzelnen Familien dadurch bedeutend
verringern. Bei der Einrichtung einer gemeinsamen Küche
würde in jeder Wohnung auch noch ein besonderer Raum für
andere Zwecke gewonnen werden, was besonders bei zahl
reicher Familie sehr wichtig ist. Unter Umständen könnten
auch noch von dem Verein billigere Wohnungen in dieser
Weise hergestellt werden, wenn man eben die Küchen sparen
könnte. Dieselben Gründe sprechen auch für die Einrichtung
einer gemeinsamen Waschanstalt. In jeder Ansiedlung würden
sich Frauenausschüsse zu bilden haben, welche diese gemein
samen Veranstaltungen zu überwachen hätten. Die Frauen
würden durch eine derartige Entlastung mehr Zeit gewinnen,
wie schon oben hervorgehoben, erwerbstätig zu sein oder sich
der Erziehung der Kinder oder ihrer eigenen geistigen Aus
bildung zu widmen.
In richtiger Erkenntnis des Wertes einer höheren Bildung
für die Weiterentwicklung der Genossenschaften und Lösung
der Wohnungsfrage hat dann der Verein in Verbindung mit
der Zentralstelle für Arbeiterwohlfahrtseinrichtungen die
Konzerte, die Museumsführungen und Hochschulkurse ein
gerichtet. Es zeigt sich hier, wie in der Genossenschaft selbst,
wenn sie eine gewisse Größe erlangt hat, die Grundlage ge
geben ist, für weitere Organisationen und Kulturbestrebungen,
und wie durch einen derartigen weiteren Ausbau die Ge
nossenschaft selbst an Lebenskraft gewinnt. Die Basis muß
aber breit genug sein, daß sie alle möglichen politischen und
religiösen Richtungen in sich aufnehmen oder einschließen
kann. Auch in dieser Beziehung werden im Berliner Spar
und Bauverein keine Unterschiede gemacht, der trennende
Einfluß von Politik und Religion ist eliminiert und sein Wahl
spruch ist: „Einigkeit macht stark“.