Full text : Baugenossenschaften und der Berliner Spar- und Bauverein

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hauptsächlich  unter  der  Wohnungsnot  zu  leiden  haben,  ist
an  eine  befriedigende  Lösung  dieser  Frage  nicht  zu  denken.
Der  Arbeiter  kann  nur  das  wirklich  würdigen  und  schätzen,
was  er  durch  eigene  Arbeit  erlangt.  Er  muß  selbst  mit  Kopf,
Herz  und  Hand  an  der  Durchführung  einer  Reform  beteiligt
sein,  wenn  sie  für  ihn  irgendwelchen  Wert  haben  soll.  Daher
bleiben  die  bestgemeinten  Maßregeln  der  Staatshülfe  und  Gesellschaftshülfe ­
  häufig  völlig  wirkungslos,  weil  sie  auf  die
Mitwirkung  der  Arbeiter  verzichten.  Die  Selbsthülfe  ist  daher
notwendigerweise  der  hauptsächlichste  Faktor  in  jeder  sozialen
Reform,  dem  alle  anderen  Faktoren  dienstbar  zu  machen  sind.
Diese  Selbsthülfe  der  Arbeiter  läßt  sich  in  der  Angelegenheit
der  Wohnungsreform  nur  in  der  Weise  durchführen,  daß  die
Arbeiter  sich  organisieren  und  daß  sie  Genossenschaften
bilden.
Die  genossenschaftliche  Organisation  ist  von  jeher  als  ein
Mittel  betrachtet  worden,  durch  welches  der  Arbeiter  seine
wirtschaftliche  Lage  heben  und  die  Mängel  aufheben  kann,
welche  seine  soziale  Stellung  mit  sich  bringt. 1 )  Dieses  Ziel
wird  von  verschiedenen  Genossenschaften  auf  verschiedenem
Wege  angestrebt.  Man  kann  dementsprechend  die  Genossenschaften ­
  einteilen  in  Produktiv-,  Distributiv-  und  Konsumtivgenossenschaften, ­
  je  nachdem  es  sich  darum  handelt,  die  Lage
des  Arbeiters  als  Produzenten,  als  Käufer  und  Kreditsuchenden, ­
  oder  als  Konsumenten  zu  bessern.
Die  Produktivgenossenschaften  organisieren  die  Arbeiter
zu  gemeinschaftlicher  Produktion,  sie  wollen  eine  Verbesserung
ihrer  Lage  dadurch  erreichen,  daß  sie  den  Unternehmer
eliminieren  und  seinen  Gewinn  den  einzelnen  Genossen  je
nach  ihrer  Leistung  zuführen.  In  dieser  Weise  soll  sowohl
die  soziale  Stellung  wie  das  Einkommen  der  Arbeiter  verbessert ­
  werden.
Die  Disti’ibutivgenossenschaften  wollen  den  Arbeitern  oder
Handwerkern  eine  günstigere  Stellung  in  Handel  und  Verkehr
verschaffen,  sei  es,  daß  sie  ihre  Kreditfähigkeit  erhöhen  oder
ihnen  im  Einkauf  und  Verkauf  die  Vorteile,  welche  dem
Großbetrieb  eigentümlich  sind,  verschaffen.  Dazu  gehören

’)  Sinzlieimer,  Die  Arbeiterwohnungsfrage,  Stuttgart  1902,  S.  125.
            
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