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Seit der Gründung sind der Zentralstelle nicht nur zahl
reiche große Wohlfahrtsvereine beigetreten, sondern auch fast
sämtliche Reichsämter und preußische Zentralbehörden, sowie
fast alle außerpreußische Bundesstaaten, eine Reihe von
Stadtverwaltungen und Landesversicherungsanstalten, sowie
die Landesdirektion der Rheinprovinz und die Gewerbekaimner
in Hamburg.
Als besondere Abteilungen sind der Zentralstelle „Der
deutsche Verein für ländliche Wohlfahrts- und Heimatspflege“
und „Die Abteilung für Armenpflege und Wohltätigkeit“ an
gegliedert worden.
Um die Gründung haben sich besonders verdient ge
macht: Der damalige Minister für Handel und Gewerbe,
Freiherr von Berlepsch und der Geheime Oberregierungsrat
Dr. Königs.
Julius Post, der damals Professor an der Technischen
Hochschule in Hannover war, wurde als Vortragender Rat in
das Ministerium für Handel und Gewerbe berufen und mit
der Geschäftsführung der Zentralstelle beauftragt. Post war
schon früher auf dem Gebiete der Arbeiterwohlfahrt praktisch
tätig gewesen; er hatte dann im Aufträge der preußischen
Regierung das In- und Ausland bereist, um die vorhandenen
Wohlfahrtseinrichtungen zu studieren. Die Ergebnisse dieser
Studien veröffentlichte er in dem zweibändigen Werk, das den
Titel führt „Musterstätten persönlicher Fürsorge von Arbeit
gebern für ihre Geschäftsangehörigen.“ Der erste Band dieses
Werkes war schon im Jahre 1889 erschienen.
Da Post als Vortragender Rat im Handelsministerium
sich nicht ausschließlich der Verwaltung der Zentralstelle
widmen konnte, so stellte man ihm Dr. Heinrich Albrecht
zur Seite, der unter Posts Leitung die Geschäfte zu führen
hatte. Albrecht hatte im Jahre 1890 eine Schrift über
„Gewerbehygiene und Arbeiterwohlfahrtsbestrebungen“ ver
öffentlicht und damit sein Interesse für den Wirkungskreis
der neuen Zentralstelle bewiesen.
Die Zentralstelle begann ihre Tätigkeit mit dem Studium
und der Erörterung der Wohnungsfrage. Heinrich Albrecht
hatte, ehe er sich den nationalökonomischen Studien zu
wendete, sich vielfach mit technischen und hygienischen