Full text : Baugenossenschaften und der Berliner Spar- und Bauverein

Einleitung.

Der  Zweck,  welchen  die  Baugenossenschaften  erstreben,
ist  der,  an  ihrem  Teil  mitzuarbeiten  an  der  Lösung  der
Wohnungsfrage.  Ihr  eigentliches  Wesen  läßt  sich  daher  nur
aus  der  Erkenntnis  des  Zweckes,  den  sie  verfolgen,  verstehen.
Die  Wohnungsfrage  ist  der  Name  für  eine  ganze  Reihe
mannigfaltiger  Probleme,  deren  Wesen  nur  sehr  unvollkommen
von  ihrem  Namen  gedeckt  wird.  Sie  umfaßt  zunächst  zwei
Hauptgruppen  von  Problemen,  die  man  als  Wohnungsbaufrage
und  als  Wohnungsmietfrage  bezeichnen  kann.  Die  Wohnungsbaufrage ­
  zerfällt  in  eine  Grund-  und  Bodenfrage,  in  eine  Baugeld- ­
  oder  Baukreditfrage  und  endlich  in  eine  Bauerlaubnisoder ­
  Baupolizeifrage.')  Die  Wohnungsmietfrage  ist  vor  allem
die  Frage  von  der  Höhe  des  Mietszinses  und  seinem  Verhältnis ­
  zum  Einkommen  der  Mieter.  Sie  ist  ferner  eine  Frage
der  Wohnsitte,  worunter  man  die  Ansprüche  versteht,  welche
die  verschiedenen  sozialen  Klassen  an  die  Wohnung  zur  Befriedigung ­
  ihres  Wohnungsbedürfnisses  stellen.  Sie  ist  ferner
eine  Frage  des  Verhältnisses  zwischen  Mieter  und  Vermieter,
welche  die  Regelung  des  Mietsvertrages  und  des  Mietsrechtes
umfaßt. *  2 )
Die  Grund-  und  Bodenfrage  ist  die  Frage  der  Arealbeschaffung
  zum  Zweck  der  Errichtung  von  Wohnhäusern.
Die  Verteuerung  des  Grund  und  Bodens  durch  Ansammlunggroßer
  Menschenmassen  in  den  Großstädten,  durch  die  un') ­

  Grävell,  Die  Baugenossenschaftsfrage,  Berlin  1901,  S.  36  ff.
2 )  Schriften  des  Vereins  für  Sozialpolitik,  Bd.  95  S.  275.
Kromrey,  Baugenossenschaften.  1
            
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