gesunde Spekulation dev Tevvaingesellscliaften gestaltet sich
gerade für den Bau kleiner und billiger Wohnungen zu einem
immer größeren Hindernis. 1 ) Dieses Hindernis läßt sich nur
in der Weise beseitigen, daß man den Bevölkerungsstrom auf
das Land durch Industrialisierung desselben zurückleitet, wozu
die Möglichkeit durch die Entwicklung der Transportmittel
gegeben ist. Die Spekulation läßt sich in der Weise einschränken,
daß man den unbebauten Grund und Boden in angemessener
Weise versteuert und daß man einen großen Teil
desselben in städtischen Besitz überführt; nur ist dabei vorzusehen,
daß eine fiskalische Ausnutzung dieses Besitzes ausgeschlossen
bleibt.
Der Bodenkredit hängt wiederum ab von dem Bodenwert,
und dieser setzt sich zusammen aus dem Ertragswert
und dem Wert der Lage. Er wird hauptsächlich durch die
Hypothekenbanken gewährt, welche ebenso wie die Terraingesellschaften
häufig den Bauschwindel und die unsolide
Spekulation begünstigen. Dasselbe gilt für den Baukredit,
der ebenfalls durch besondere zu diesem Zweck errichtete Institute
in der bedenklichsten Weise verteuert wird. Diese
Verteuerung des Kredits bedeutet aber wiederum ein schweres
Hindernis für die Errichtung kleiner und billiger Wohnungen.
Dieses Hindernis kann nur durch eine genossenschaftliche
oder öffentlich - rechtliche Regelung und Organisation der
Kreditbeschaffung überwunden werden. 2 )
Die Bauerlaubnisfrage hat es mit zweierlei zu tun: Einmal
mit dem Ort, wo ein Haus hingebaut werden soll; das
ist eine Frage des Bebauungsplanes, und sodann mit der Art
und Weise, wie das Gebäude auszuführen ist; das ist eine
Frage der Bauordnung. 3 ) Der Bebauungsplan sowie die Bauordnung
sind häufig in einer Weise geregelt worden, welche
den Bau gesunder, kleiner und billiger Wohnungen unmöglich
macht. Es müßte überall weniger nach der Schablone gearbeitet
und den individuellen Verhältnissen mehr Rechnung
’) Bericht des IV. Internationalen Wohnungs - Kongresses zu
Düsseldorf vom 15. bis 19. Juni 1902, Berlin 1902, S. 70.
2 ) Schriften des Vereins für Sozialpolitik, Bd. 96, S. 87.
3 ) Desgleichen, Bd. 95, S. 187 ff.