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Handeln ... ist also gar nicht aus dem Kreise des alltäglichen
Zweckhandelns auszusondern, zumal auch seine Zwecke selbst
überwiegend ökonomisch sinLU)." — Daß die Zwecke des
religiösen Handelns „überwiegend ökonomisch" seien, wie Mar
Weber hier behauptet, wird wohl kaum jemand unterschreiben
können. So redet ein Blinder von der Farbe. Begriffsbestim
mungen dieses Stiles finden sich aber leider auf Schritt und
Tritt. Zum Beispiel: „Wie der Zauberer sein Charisma
fGnadengabe^, so hat der Gott seine Macht zu bewähre n.
Zeigt sich der Versuch der Beeinflussung dauernd nutzlos, so
ist entweder der Gott machtlos oder die Mittel seiner Be
einflussung sind unbekannt und man gibt ihn auf." (S. 243.)
Auch hier wird der Gottesbegriff von der denkbar äußerlichsten
Seite und von entarteten Erscheinungen her gefaßt: von hier
aus glaubt Mar Weber das Recht ableiten zu können, das
Metaphysische, den Kern jedes Gottesbegriffes, — zu über
gehen !
Im folgenden Abschnitt „Zauberer—Priester" heißt es
(S. 241): „Priester, die Funktionäre eines regelmäßig organi
sierten stetigen Betriebes zur Beeinflussung der Götter
gegenüber der individuellen Inanspruchnahme der Zauberer
von Fall zu Fall." „Typisch ist für den Priesterbegriff, daß der
Funktionär dauernd angestellt ist, indessen die Zauberer einen
freien Beruf ausüben." Solche Ausführungen muten wie
Hohn auf ernste Wissenschaftlichkeit an. Und sie stimmen nicht
einmal mit den Geschichtskenntnissen eines Gymnasiasten.
War nun Agamemnon, der nicht in einem „Betrieb" als
„Funktionär dauernd angestellt" war, Priester oder Zauberer?
— Das alte Christentum nennt M. W. „eine spezifische Hand
werkerreligiosität" (S. 275). „Sein Heiland ein landstädtischer
Handwerker, seine Missonare wandernde Handwerksburschen .."
l ) S. 227.