Full text: Ein Arbeitstarifgesetz

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Die Idee der sozialen Selbstbestimmung iin Recht. 
heit bilden. W. von Humboldt hat darin das Zeichen 
höhererer Kultur gesehen. Denn „es ist" — so sagt er — 
„ein höherer Grad von Kultur notwendig, sich an der Tätig 
keit zu erfreuen, welche nur Kräfte schafft und ihnen selbst 
die Erzeugung der Resultate überläßt, als an derjenigen, 
welche unmittelbar diese selbst aufstellt." 
5. 
Damit erkennen wir die Bedeutung, die der sozialen 
Selbstbestimmung im Rechte, wie sie in der Form des Tarif 
vertrags zum Ausdruck kommt, innewohnt. Ohne den Staat 
auszuschalten, der die Bedingung eines einheitlichen gesell 
schaftlichen Lebens ist. löst sie doch durch unmittelbare Rechts 
erzeugung die Fremdheit des Rechts dem sozialen Leben 
gegenüber. Es dringt durch sie das gesellschaftliche Leben 
tiefer in das Recht, das Recht aber auch tiefer in das gesell 
schaftliche Leben ein, und indem sie den neuen organisatori 
schen Kräften des gesellschaftlichen Lebens Wirkung verleiht, 
dient sie zugleich dem gesellschaftlichen Frieden. 
Die größere soziale Innigkeit des Rechts wird durch die 
Dezentralisation erreicht, zu der die soziale Selbst 
bestimmung ihrer Natur nach fähig ist. Wie die politische 
Selbstverwaltung verleiht auch die soziale Selbstbestimmung 
„die Fähigkeit der Selbstregulation, d. h. der eigenen An 
passung an die für sie hervortretenden besonderen Lebens 
bedingungen, ohne die Notwendigkeit eines vom Zentrum 
ausgehenden Impulses" st. Durch Dezentralisation wird 
das Recht mannigfaltiger und einfacher zugleich. Die Ver 
schiedenheit und der Wechsel der gesellschaftlichen Beziehungen 
können sich unmittelbar in Recht umsetzen, das inneres 
Wachstum, wie das soziale Leben selbst, gewinnt. Und indem 
ein solches Recht sich nach Industrien und Betrieben, ja noch 
in den Betrieben selbst spezialisieren kann, vermag es Eigen- 
') Rosin, Souveränität, Staat,Gemeinde,Selbstverwaltung; AnnDR. 
1883, S. 265 ff., 309.
	        
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