§ 157. Arbeitslohn.
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Das Angebot an Arbeit kann um so stärker sein und sich
bei zunehmender Nachfrage à so eher ebenmäßig steigern, je
einfacher die betreffende Arbeit selbst ist, je weniger besondere und
seltenere natürliche Anlagen, größere Vorauslagen für vorgängige
Ausbildung, langwierige Vorübung, kostspieligere Arbeitshilfs
mittel re. behufs derselben erforderlich sind, zumal auch der
Uebergang zu solchen Arbeiten aus anderen Beschäftigungen
weniger schwierig ist. Dasselbe vermag hingegen bei abnehmen
der Nachfrage sich um so weniger leicht alsbald abzumindern,
je qualificirtcr eine Arbeit an und für sich ist und je schwerer
den nun einmal vorhandenen, bereits zu deren Verrichtung her
angezogenen und in Folge vieljähriger Einübung vornehmlich
geschickt gewordenen Arbeitskräften ein gänzlicher Beschäftigungs
wechsel bei ausgebildeter Arbeitstheilung fallen muß.
Mit einer Arbeit verbundene persönliche Annehmlichkeiten
reizen zu starkem Angebote, rvogegen mit einer solchen etwa ver
knüpfte Unannehmlichkeiten abschreckend wirken und somit ein
schwaches Angebot bedingen. Erstere kann eine Arbeit darbieten
durch Gewährung persönlicher Unabhängigkeit, ununterbrochenen
Zusammenlebens mit der Familie, besonders geachteter Lebens
stellung, hohen persönlichen Genusses an der Arbeitsthätigkeit
selbst re. Letztere dagegen vermögen zu erwachsen aus der An
rüchigkeit oder besonderen Lästigkeit einer Arbeit re.
Je gleichmäßiger sich endlich die Arbeitsgelegenheit darbietet
und je sicherer diese zugleich ist, um so eher mag ein der Nach
frage entsprechendes Angebot eintreten, und umgekehrt um so
weniger leicht. So pflegt z. B. das Arbeitsangebot um so reich
licher zu sein, je zuverlässiger der Arbeiter aus stete Gelegenheit
zur angemessenen Verwerthung seiner Arbeitskraft und auf Fort
kommen in dem erwählten Berufe rechnen, oder je gewisser er
dabei Hilfe in Bezug ans Uebertragung von Unglücksfällen,
Altersversorgung re. erwarten darf. Einrichtungen, welche den
Arbeiter in letzterer Beziehung sicherstellen, erleichtern demselben
die Uebertragung der ihm drohenden wirthschaftlichen Gefahr und
vermindern somit, gleich jeder anderen ihm regelmäßig zugute-
kommenden Unterstützung, zum Theil auch wirklich die seinerseits
aufzuwendenden Produktionskosten der Arbeit.
Herrschellde Gewohnheiten können schließlich sogar noch in
weit vorgeschrittener Zeit einen merklichen Einfluß auf das An
gebot an Arbeit behaupten, insofern dieselben fortdauernd für