348 Vierter Teil. Weltwirtschaft und Handelspolitik, l. Weltwirtschaft.
Die Auktionen bieten den direkten Käufern inanchc Vorteile, obwohl 1 % von
dem Werte als Registraturspesen bezahlt werden müssen. In früheren Jahren betrugen
die auf den einzelnen Monatsauktionen zum Verkauf gelangenden Quantitäten gewöhnlich
ca. 100000 Ballen, und es hatte der Ablauf der Auktionen einen nicht unwesentlichen
Einfluß, namentlich auf den deutschen und belgischen Markt; allein seit Eröffnung der
Terminmärkte und seit dem Zurückgehen der Produktion auf Java ist der holländische
Markt nicht mehr in dem Maße tonangebend wie früher.
Außer Europa sind die Vereinigten Staaten von Amerika der größte Konsument.
Dieselben versorgen sich durch die beiden Lauptplätze New Bork und San Francisco
aus Zentral-- und Südamerika und beziehen auch kleine Partien von den Philippinen
und aus Niederländisch-Indien (Sumatra). New Bork notiert pro Pfund englisch,
in Cents amerikanisch.
Zum Schluffe wollen wir noch einige Worte über die Kaffeeterminmärkte
sprechen. Die wichtigsten Terminmärkte für Kaffee sind: Äavre, Hamburg, Antwerpen,
London, Marseille, Amsterdam, Rotterdam. Außerdem findet auch in New Bork ein
sehr bedeutendes Termingeschäft in Kaffee statt.
Der Unterschied zwischen dem Effektiv- und Termingeschäft läßt sich in folgender
Weise charakterisieren. Beim Effektivgeschäft kann ich jedes beliebige Quantum kaufen,
beim Termingeschäft nur das durch die Börseusancen von vornherein bestimmte Quantum,
einen sogenannten Schluß. Dieser beträgt in Lamburg und Pavre, den beiden größten
Terminmärkten, 500 Sack, welche in Hamburg zu 29250 kg netto, in Lavre zu
29400 kg netto gerechnet werden. Beim Effektivgeschäft wird auf Grund von Proben
(Mustern) gekauft; beim Termingeschäft ist die Qualität der zu liefernden Ware durch
die Börseusancen vorgeschrieben. Die Hamburger und Havreser Börseusancen schreiben
vor: „Zanlos good average“ d. h. Kaffee aus Santos (Brasilien), gute Durchschnitts
qualität. Beim Effektivgeschäft kann der Käufer den Bezug der Ware, den Lieferungs
termin mit dem Verkäufer frei vereinbaren; beim Termingeschäft sind die Lieferungs
termine durch die Börseusancen genau vorgeschrieben. Diese Termine sind: Monatstermine,
vom laufenden Monat angefangen und noch die weiteren 11 Monate. Man kann
also im Termingeschäft Kaffee z. B. im Monat Januar bereits lieferbar im Monat
Dezember kaufen.
Durch diese von vorhinein fixierten Quantitäten, Qualitäten und Termine gleichen
sich also die einzelnen Termingeschäfte vollständig; sie sind gleichartig und unterscheiden
sich nur im Preis. Dadurch ist die Möglichkeit der Kompensation und durch diese
die Möglichkeit der Spekulation gegeben, wie wir an einem Beispiele zeigen wollen.
Hamburg. A kauft am 7. November 1904 500 Sack Kaffee, lieferbar ini
März 1905 zum Preise von 38 Pfennigen pro '/ 2 kg. Am 30. Dezember 1904
notiert der Märztermin 40'/ 2 . A, welcher seinen Kauf am 7. November 1904 nur
in der Hoffnung auf eine Preissteigerung vollzogen hat, verkauft seinen Schluß zu
40'ft und kassiert sich die Differenz ein. Diese Differenz beträgt pro 'ft kg 2'ft Pfennige,
also bei 29 250 kg die Summe von 1462,50 Mark. Diese Summe wird jedoch um
ca. 400 Mark vermindert, weil die Termingeschäfte in Kaffee in Hamburg nur durch
die dortige Waren-Liquidationskasse gemacht werden können, welche 1 % Kommission
Courtage, Schlußnotenstempel und Zinsen verrechnet.
Würde Ende Dezember 1904 der Märztermin 1905 statt 40'ft z. B. 35 notiert
haben, und A wollte aus dem Engagement gehen, wie man zu sagen pflegt, so hätte
er seinen Schluß mit 35 verkaufen müssen und würde bei diesem Geschäfte 1755 Mark
und die Spesen mit ca. 400 Mark verloren haben. Dies ist die Kehrseite der Medaille.
Die Termingeschäfte in Kaffee werden an den genannten Terminmärkten, namentlich
in Hamburg, Havre und New Port oft in kolossalen Mengen abgeschlossen und wirken
für die Preisbildung beim effektiven Geschäfte manchmal sehr einschneidend. Am