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und keine Vereinigung aller Trusts wären imstande, dieses
Ziel zu erreichen, das ein unmögliches Ziel ist. Gewiß
wird in dem friedlichen Wettbewerb der Nationen um das
wirtschaftliche Gedeihen nicht immer der Fortschritt überall
gleich sein, sondern es wird der größere Fleiß, es wird
die größere Intelligenz stets und überall den größeren Lohn
finden. Doch das Gedeihen des einen Teils beruht nicht auf
dem Mißerfolg des andern Teils, vielmehr ist die Harmonie
der Kräfte nicht bloß möglicherweise imstande, sondern
von vornherein und grundsätzlich darauf gerichtet, ein
allgemeines Gedeihen hervorzurufen. Jede Nation strebt
nach einem „Platz an der Sonne“ und darf es tun; und
niemals ist eine Nation dadurch, daß sie dieses Ziel
erreicht, ein Hindernis für eine andere Nation, zu dem
gleichen Ziel zu gelangen. Es ist eine besondere und schöne
Eigenart des ökonomischen Fortschreitens, daß es, an jeder
einzelnen Wirkungsstätte nach demselben Ziele der sittlichen
und wirtschaftlichen Hebung der Völker strebend, dennoch
je nach der Geschichte und den Lebensbedingungen jedes
Landes durchaus verschiedene Erscheinungs- und Äußerungs
formen annimmt. Auch vom Leben der Völker gilt, was
Lessing seinen welterfahrenen Weisen vom Einzelindividuum
sagen läßt: „Nur muß der eine nicht den andern mäkeln;
nur muß der Knorr den Knubben hübsch vertragen.“ Und
um so eher wird sich solche Erkenntnis durchringen, je
klarer allüberall zum Bewußtsein gelangt, daß es in der
Natur jedes berechtigten wirtschaftlichen Strebens liegt,
Segnungen zu ergießen nicht bloß auf seine Urheber,
sondern auf die ganze Menschheit.