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zu beurteilen sind. Die Wirkungen eines Weltkrieges lassen sich daher nicht
aus den Wirkungen des kleineren Krieges in der Weise ableiten, daß man die
selben einfach multipliziert. Die Kriege der letzten hundert Jahre
waren kleine Kriege, ja sie wurden zu einem erheblichen Teil am Rande
der beteiligten Gebiete oder sogar in Kolonialländem geführt. Ich erinnere
nur an den russisch-japanischen, an den amerikanisch-spanischen Krieg.
Der letzte Weltkrieg fand gerade vor 100 Jahren statt. Wenn wir Er
fahrungsbeispiele für die Erörterung des Weltkrieges benötigen, müssen wir
auf die napoleonischen Kriege zurückgreifen. Sie werden uns immer viel Lehr
reiches bieten, wenn sich auch freilich die gesamte gesellschaftliche Organisation
seit jenen Tagen sehr erheblich verändert hat. Aber jene Kriege geben uns
wenigstens die Möglichkeit, großzügige Maßnahmen, wie die Kontinental
sperre, kennen zu lernen und unsere Vorstellungen zu weiten. Denn, um den
Weltkrieg der Zukunft sich einigermaßen ausmalen zu können, haben wir etwas
gigantische Phantasie nötig.
3. Das Problem der Reserven.
Es gibt verschiedene Methoden, die für den Krieg nötigen Kräfte bereitzu
halten. Es kann zunächst die Schaffung von kriegerischen Kräften erst im
Augenblick des Krieges erfolgen. Die im Frieden tätigen Kräfte
werden in kriegerisch verwendbare umgewandelt. Der Arm, der sonst den
Speer zur Jagd benützt, wendet ihn nun gegen den Feind. Es können aber
auch Kriegsmittel während des Friedens bereits vorbereitet werden,
schließlich können im Kriege Kräfte zur Verwendung kommen, die während
des Friedens nicht verwendet wurden, weder für kriege
rische noch für friedliche Zwecke. Es sind dies natürlich nur
extreme Typen; meist werden die einzelnen Möglichkeiten miteinander verbunden
Vorkommen.
Daß Kräfte, die der Krieg benötigt, im Frieden auch verwendet werden;,
ist nichts Seltenes. Das Tiroler Aufgebot von 1809 gehörte z. B. wesentlich
zu dieser ersten Gruppe. Es bestand zum geringsten Teil aus militärisch vor-
f ebildeten Kräften, die Waffen waren überwiegend auch im Frieden verwendbar.
ensen, Heugabeln, Jagdgewehre spielten eine wichtige Rolle. Ähnlich orga
nisiert sind die Milizen primitiver Staaten. So unterscheidet sich z. B. das
albanische Kriegsaufgebot wenig von der Gesamtheit der waffenfähigen Albaner
im Frieden.
Sehr wichtig sind jene Fälle, in denen die Ausbildung bestimmter Fähig
keiten sowohl für den Krieg, als auch für den Frieden von
Nutzen ist. Hieher gehören alle Bemühungen, die Jugend im großen Stil im
Sport auszubilden, im Skifahren, Schwimmen usw. Eine kräftige Jugend ist
leistungsfähiger in der Industrie, in der Landwirtschaft, aber ebenso auch in
der Armee. Es wäre für die sozial-wissenschaftliche For
schung, aber auch für die Praxis von erheblicher Wichtig
keit, wenn man einmal systematisch untersuchte, in wel
chen Fällen die Interessen der Armee mit jenen der übrigen
Bürgerschaft zusammenfallen, soweit die Ausbildung der
verschiedensten Fähigkeiten in Frage steht.
Eine derartige Interessengemeinschaft beschränkt sich aber nicht etwa auf
die sportliche Ausbildung, wir treffen sie, wie wir schon oben bei Erörterung
der Güterausnützung andeuteten, auch sonst an. Es ist z. B. für eine Kriegs
marine äußerst wichtig, eine möglichst große Handelsmarine zu besitzen, um
auf diese Weise zu gut vorgebildeten Matrosen zu kommen. Die Tätigkeit
eines Matrosen kann nicht rasch gelernt werden. Geldmittel reichen nicht hin,
um eine starke Flotte zu schaffen. Es ist ja bekannt, wie sehr die Türken
darunter leiden, daß sie nicht genügend vorgebildete Matrosen haben. Dies
hängt damit zusammen, daß die Handelsschiffahrt vorwiegend in Händen der
Griechen ruht. In diesem Sinne ist auch die Bemerkung Trubetzkois aufzu
fassen, dessen Stimme insoferne Anspruch auf Gehör hat, als er eine hervor-
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