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Erstes Buch, Cap. 1.
überall und immer gleichmässig zum Siege gebracht werden
und eine Staatsform sei überall und immer die allein rich-
tige: „Wenn es nur eine Wahrheit giebt, so kann es auch
nur einen Codex unserer gegenseitigen Pflichten geben und
die Erforschung der Wahrheit ist nicht nur die beste Methode,
das Wesen politischer Einrichtungen zu erkennen, sondern
auch sie einzuführen und einzurichten,“
Der unverwüstliche Glaube an die Fähigkeit des Menschen
zu Fortschritt und Vervollkommnung (S. 50) hat, so sehr
er manchmal zu absolut lächerlichen Consequenzen führt, etwas
Rührendes und giebt, wie die Liebe zur Wahrheit, Zeugniss
von einer tief sittlich angelegten Natur. In diesem Glauben
liegt, wie bei Owen, eine Art von religiösem Element —
allerdings von sehr bedenklichem praktischen Werth. Denn
Godwin hält es nicht nur für unrathsam, Versprechungen zu
geben, sondern für unnöthig, sie zu halten, da man in jedem
Moment der jetzt erkannten Wahrheit und Gerechtigkeit
folgen soll. Aehnlich wie bei Owen verdrängt dieser höchst
individuelle Glaube die Liebe zu allen bestehenden Religionen,
Er ist nicht nur als alter Dissenter ein Feind aller Priesterschaft
SS, 62) und aller Staatskirchen (S. 608), sondern die Religion
selbst wird (anders als in dem späteren Werke gegen Malthus)
mit entschiedener Feindseligkeit behandelt, indem die Religio-
nen streben, der Menschheit die ganze Wahrheit zu verhüllen
und sie durch allerlei Betrug zum Guten bringen wollen
(S. 504 ff.), indem sie die Menschen als Kinder behandeln,
statt als vernünftige Wesen und lehren, aus freiwilliger Liebe
zu thun, was doch die vernunftgemässe Gerechtigkeit unbe-
dingt fordert (S. 793).
Das Eigenthümlichste bei Godwin ist, dass er den denk-
bar extremsten Individualismus mit dem Postulate der Ver-
mögensgleichheit verbindet. Er will Communismus ohne jeg-
lichen Zwang und weiss mit Hülfe seiner Utopien die extremste
Freiheitsliebe mit dem ausschweifendsten Gleichheitsdurst zu
verbinden,
Was zunächst seinen Individualismus betrifft, so bezeich-
net er ausdrücklich die Gesellschaft nur als eine Summe