Object : Zur Entwicklung der Baumwollindustrie in Deutschland

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das,  daß  das  Angebot  den  Bedarf  übertrifft.  Sobald  der  Unternehmer
die  Gewalt  über  die  Maschine  verliert,  auf  deren  gleichmäßigem
Gang  die  Sicherheit  des  Betriebes  beruht,  springt  als  gütiger  Helfer
der  Handel  ein.  Er  weckt  hier  und  da  Bedürfnisse,  die  vorher  nicht
vorhanden  waren  und  schafft  dem  Produzenten  Abflußkanäle  für  die
Überproduktion,  Nun  aber  behält  der  Handel  den  Hebel  der  Maschine
in  der  Hand.  Dem  Produzenten  ist  eine  Schätzung  des  gegenwärtigen
und  zukünftigen  Bedarfs  und  der  späteren  Produktionsbedingungen
nur  in  beschränktem  Maße  möglich,  eine  einigermaßen  richtige  Vorausbestimmbarkeit ­
  der  Preise  wird  für  ihn  illusorisch 1 )-  Für  die
deutsche  Spinnerei  liegt  die  Sache  insofern  günstig,  als  sie  durch  die
Zugehörigkeit  zur  Bremer  Baumwollbörse  mit  dem  Baumwollhandel
koaliert  ist,  der  Spinner  hält  also  sozusagen  die  Fäden,  die  ihn  mit
dem  Baumwollpflanzer  verbinden,  selbst  in  der  Hand.  —  Wie  schlimm
es  trotzdem  mit  der  Übersehbarkeit  der  Einkaufsbedingungen  bestellt
ist,  ist  früher  gezeigt  worden.  —  Auf  der  anderen  Seite,  als  Vermittler ­
  zwischen  Weber  und  Konsument,  hat  der  Handel  dafür  unbedingtes ­
  Übergewicht.  Er  merkt  zuerst,  ob  und  w T ann  das  Angebot
die  Nachfrage  übersteigt,  und  nun  ist  er  jederzeit  imstande,  dem  Produzenten ­
  die  Preise  zu  diktieren.
In  der  Baumwollindustrie  liegt  der  Antrieb  zu  immer  größerer
Konkurrenz  auf  dem  Weltmarkt  schon  in  den  verhältnismäßig  voraussetzungslosen ­
  Ansiedelungsbedingungen.  Nur  die  Feinspinnerei
bedarf  eines  gewissen  Feuchtigkeitsgehaltes  der  Luft,  der  aber  auch
künstlich  erzeugt  werden  kann.  Sonst  wird  sich  die  Industrie  da
ansiedeln,  wo  billige  Kohlen  oder  Wasserkräfte  oder  billige  Arbeitskräfte ­
  vorhanden  sind.  Die  Mannigfaltigkeit,  die  sich  darin  bietet,
ist  aber  ziemlich  groß.  Ferner  weist  Tschierschky  nachdrücklich  auf
die  geringe  kapitalistische  Kapazität  der  Einzelunternehmung  hin
Hausindustrie  und  kleinkapitalistische  Unternehmung  spielen  in  der
Baum  Wollindustrie  noch  1895  —  hier  kommt  es  auf  die  Zahl  der
Betriebe  an  —  die  erste  Rolle.  „Der  Hausindustrielle,  der  sich  etwa
als  verlegter  Weber  vom  Plandarbeiter  mit  einem  (Web-)  Stuhl  zum
hausindustriellen  Betriebsleiter  mit  nach  und  nach  mehreren,  zuerst
mehr  oder  minder  dem  Verleger  gehörigen  Stühlen,  sowie  dementsprechender ­
  Zahl  von  Gehilfen  durch  Besitzerwerb  der  Stühle  vom
1)  Ich  folge  hierbei  der  Darstellung  von  S.  Tschierschky,  Kartell  und  Trust,
Göttingen  1903,  S.  25ff.  Dieser  stützt  sich  seinerseits  auf  die  Ausführungen  in  Sombarts
„Kapitalismus“,  Bd.  II,  S.  68ff.  —  Vgl.  auch  E.  Harmening,  Die  notwendige  Entwicklung ­
  der  Industrie  zum  Trust.  Berlin  1904.  (Sonderdruck  aus  dem  „Archiv  f.  Rassenund
  Gesellschafts-Biologie“,  2.  Heft,  1904.)
            
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