Full text : Zur Entwicklung der Baumwollindustrie in Deutschland

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über  Österreich,  die  Schweiz,  Italien,  Belgien,  Holland,  Frankreich
und  England  zu  uns  kam.  Mit  Beginn  der  neunziger  Jahre  hört  das
fast  ganz  auf.  Es  sind  verhältnismäßig  nur  noch  unbedeutende
Mengen,  die  wir  nicht  direkt  beziehen.  Über  Triest  beziehen  wir
noch  ägyptische  Baumwolle,  die  dann  zum  Teil  erst  auf  dem  Umwege
über  die  Schweiz  zu  uns  kommt.  Sonst  aber  hat  uns  die  Bremer
Baumwollbörse  nahezu  vom  Zwischenhandel  unabhängig  gemacht.
Die  mancherlei  Momente  kennen  zu  lernen,  die  auf  den  auswärtigen
Handel  in  Baumwolle  eingewirkt  haben,  das  wäre  das  Thema  einer
besonderen  Arbeit.

Kapitel  X.
Rückblick.

Wenn  der  Wanderer  einen  hohen  Berg  erklommen  hat,  pflegt
er  Umschau  und  Rückschau  zu  halten.  So  wollen  auch  wir  einmal
den  durchmessenen  Weg  rückblickend  überschauen  von  einem  bestimmten ­
  Gesichtspunkt  aus.  Kein  anderer  Gesichtspunkt  ist  aber
für  uns  geeigneter,  als  der:  Wie  reiht  sich  der  Entwicklungsgang
der  Baumwollindustrie  ein  in  den  allgemeinen  industriellen  Entwicklungsgang, ­
  in  die  sogenannte  kapitalistische  Produktionsweise?
Zunächst  fällt  uns  eins  auf,  wenn  wir  Anfang  und  Ende  unseres
Weges  vergleichen:  der  Ausgangspunkt  war  die  Zunftverfassung,
Regelung  der  Produktion  und  des  Absatzes,  und  das  Ende  ist  wieder
nicht  anderes  als  der  Versuch,  Produktion  und  Absatz  zu  stabilieren.
Was  liegt  nun  dazwischen?  —  Die  handwerksmäßige  Produktion  —
der  Anfang  unseres  Weges  —  beruht  auf  der  Stabilität  und  Sicherheit
des  Marktes,  der  Bedarf  einer  ungefähr  konstanten  Anzahl  von
Menschen  ist  für  sie  maßgebend.  Sobald  der  Gesichtskreis  sich  erweitert, ­
  sobald  die  heimische  Industrie  aus  der  lokalen  Gebundenheit
heraustritt,  ja  sogar  in  die  Welthandelsbeziehungen  verflochten  wird,
hört  die  Übersehbarkeit  des  Marktes  auf,  in  die  Produktion  wird  ein
Moment  der  Unstetigkeit  getragen.  Gleichzeitig  werden  Verbesserung
der  Produktionstechnik,  Verbilligung  und  Verbesserung  der  Produkte
die  Triebkräfte  der  Produktion.  Der  Unternehmer  wird  Spekulant,
jeder  sucht  dem  Konkurrenten  den  Vorrang  streitig  zu  machen,  ihn
zu  unterbieten.  Auf  diese  Weise  werden  zwar  dem  Erfindergeist
fortwährend  neue  Aufgaben  gestellt,  das  Resultat  ist  aber  notwendig
            
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