Full text: Zur Entwicklung der Baumwollindustrie in Deutschland

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sich ebenso wie der Unternehmer jener ersten Kategorie nur in 
Fällen der Not entschließen, etwas von seiner Selbständigkeit preis 
zugeben. Ein unpersönliches Moment, das eine Verständigung unge 
mein erschwert, ist die geographische Verzettelung der Betriebe. So 
ist man bisher tatsächlich kaum über eine bloße Regelung der Preise 
und der Verkaufsbedingungen und allenfalls über eine ganz vorüber 
gehende gemeinschaftliche Produktionseinschränkung hinausgekommen. 
Wenn ein Kartell dauernden Nutzen haben soll, darf es nicht 
diese lockere Organisation beibehalten. Einkauf, Produktion und Ab 
satz müssen von einer Zentrale aus, die zugleich die Form eines 
Kontrollbureaus hat, einheitlich zu regeln sein. Die Voraussetzung 
dazu würde sein, daß diese Zentrale auch die nötige Macht, d. h. das 
nötige Geld, in Händen hat, um ihre Maßnahmen durchführen zu 
können. 
Auf dem Gebiet des Handels mit Rohbaumwolle hat es sich 
nun in letzter Zeit etwas geregt. Es haben sich Koalitionen voll 
zogen, die vielleicht — man hat über ihre Wirksamkeit noch nichts 
gehört — einen Wandel herbeizuführen berufen sind und vor allem 
eine Organisation, eine Regulierung des Einkaufs erleichtern. Im 
Mai 1903 erfolgte in Atlanta (Ga. U. S. of A.) die Konstituierung 
der „Southeastern Cotton Buyers Association“ mit dem Zweck, den 
Baum Wollhandel in Georgia, Alabama, Nord- und Süd-Carolina „unter 
ihre alleinige Kontrolle zu bringen und zum Besten der Pflanzer 
sowohl als der Verbraucher des Spinnstoffes zu regulieren“ 1 )- Sie 
will auch die Händler der übrigen Baumwollstaaten zur Gründung 
gleicher Vereinigungen veranlassen. Für alle diese Vereinigungen 
soll eine Zentralstelle in New-Orleans geschaffen werden, also in dem 
Mittelpunkt des sog. Cotton-Belts, des Baumwollanbaugebietes. Ob 
und inwieweit die Bemühungen der Vereinigung geglückt sind, darüber 
haben wir nichts in Erfahrung bringen können. Es ist damit jeden 
falls der erste Schritt dazu getan, den Baumwollhandel der Union zu 
konzentrieren. Die deutschen Händler, bezw. die deutschen Spinner 
hätten also statt mit einer Vielheit von amerikanischen „Cotton Buyers“ 
nur mehr mit einer Vereinigung solcher zu verhandeln. Der eminente 
Vorteil einer solchen Vereinfachung liegt auf der Hand. Eine andere 
Zusammenschließung — zweifelhafter Natur — ist die „Southern 
Cotton Corporation“. Sie will das Lagerhaussystem der Getreide 
branche auf den Baumwollhandel anwenden. Sie will zunächst 1 2 ) 
Lagerräume mit den neuesten mechanischen Vorrichtungen errichten, 
1) Nachrichten für Handel und Industrie 1903, I, No. 86. 
2) S. „Leipziger Neueste Nachrichten“ vom 7. Sept. 1904.
	        
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