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gemacht werden soll, ich halte es für ausgeschlossen, dass
dadurch der Zustand im öffentlichen Leben gebessert und gehoben
wird und dann weiss ich nicht, wie man wirtschaftliche
Fragen mit Verzicht auf politische Gesichtspunkte behandeln
und lösen will. (Sehr richtig.)
Ich meine, der Wunsch, der vorhin ausgesprochen wurde,
würde in seiner Wirkung für unser gesamtes öffentliches Leben
die allerschädlichste Wirkung hervorbringen. Wir leiden schon
jetzt an dem Uebermass von Leidenschaft, welche gerade
der Kampf um wirtschaftliche Fragen in alle
Schichten der Bevölkerung hineingetragen hat.
Grosse und allgemeine Gesichtspunkte gehen dabei immer mehr
verloren, es bleibt schliesslich nur noch das Streiten um Beutelund
Magenfragen übrig. Nur diejenige politische Partei hat
ihre Berechtigung, die auch wirtschaftliche Fragen vom politischen
Standpunkt aus betrachtet, welche die Lösung solcher
Fragen in Einklang mit dem Gesamtinteresse und Gesamtwohl
des Volkes zu bringen sucht.
Meine Herren! Ich bin mir ja bewusst, dass ich heute in
einer Vereinigung wirtschaftlicher Elemente spreche. Ich kenne
den Zweck unserer Vereinigung und werde nach Möglichkeit
versuchen, alles Parteipolitische bei der Besprechung
des Themas auszuscheiden, aber das kann ich im vornherein
schon versichern, dass eine völlige Trennung mir nicht gojingen
wird, auch in den Fragen, um die es sich heute handelt, wird
die politische Ueberzeugung aus mir sprechen. Davon kann
mich auch nicht die Neutralität unserer Vereinigung abhalten.
Meine hochverehrten Herren! Das W ahlrecht und
im Zusammenhänge damit die Wahlrechtsreform
ist eine eminent politische Frage. Sie betrifft die
Verfassung unseres Staatswesens, sie betrifft diejenigen Rechte
des einzelnen Staatsbürgers, durch welche ihm Einfluss auf die
Vertretung im Reiche und Bundesstaate gewährt und damit der
politische Einfluss des Einzelnen verfassungsmässig festgestellt
^vvird, und das ist doch sicher politisch bedeutsam. Wer Einfluss
auf die Gesetzgebung gewinnen will, der muss nicht nur das
Wahlrecht selbst ausüben, der muss auch im Sinne des W ahlrechtes
seine Mitbürger für seine politische Anschauung zu gewinnen
suchen, und dieser Gesichtspunkt führt ganz selbstverständlich
auch auf die Prüfung der Frage: Wie ist unser
W ahlrecht beschaffen, gewährt es uns den-■^
etl *£ e n Einfluss, den wir auf Grund unserer
Stellung im Staatswesen verlangen müssend
Nach dieser Richtung hin, glaube ich, hat gerade die
deutsche Industrie, das Gewerbe und der Handel seine Interessen
\' rnachlässigt, wir haben uns zu viel dem wirtschaftlichen Er-