Wir müssen also erwarten, dass die Regierung in allererster
Linie der Wahlrechtsreform eine Neueinteilung und gerechte
Verteilung der Wahlkreise voranstellt.
Nach meiner Meinung muss der Unterschied zwischen
ländlichen und/ städtischen Wahlkreisen überhaupt fallen, es
müssen Wahlkreise geschaffen werden von annähernd derselben
Bevölkerungsziffer. Die Verschiebungen, die etiva in den nächsten
Jahrzehnten statt finden, werden grosse Ungleichheiten zunächst
nicht erzeugen. Der Begriff ländliche Wahlkreise trifft heute
auf viele so bezeichnete überhaupt nicht mehr zu.
Noch einige Forderungen will ich hervorheben, die mir
für die Wahlrechtsreform als geeignet erscheinen und auf die
sich selbst Männer von verschiedenen politischen Richtungen
vereinigen können
Zunächst bin ich dagegen, dass man das Reichstagswahlrecht
auf die Wahlen zum sächsischen Landtag überträgt. Ich
kann das gleiche Wahlrecht in diesem Sinne nicht befürworten.
Bei dem Wahlrecht zum Landtage muss auch die Leistung, die
der Einzelne dem Staate gegenüber vollbringt, zum Ausdruck
kommen. Bei Einführung des Reichstagswahlrechtes für den
Landtag würden in absehbarer Zeit Industrie und Handel sicher
von der Vertretung im Landtage ausgeschlossen sein. Das kann
nicht der Zweck eines Wahlrechtes sein.
Ferner bin ich ein Gegner jeder Wahl nach Berufständen.
Denken Sie sich einmal, meine hochverehrten Herren, was hiervon
die Folge sein würde.
Der wirtschaftliche Interessenkampf beherrscht leider in
viel zu hohem Maasse die öffentliche Tätigkeit. Wollen wir
aber nach Berufsständen zum Landtag wählen, dann würde dieser
Interessenkampf noch in viel schärferer Form hervortreten, wie
es jetzt schon der Fall ist. Bei diesem Kampfe gewinnen gewöhnlich
diejenigen die Oberhand, die am rücksichtslosesten
ihre Stimme erheben und Vorgehen; bei der Eigenart der Angehörigen
der Industrie und des Handels würden wir wahrscheinlich
bei einem solchen Wahl-System die allerschlechtesten
Geschäfte machen.
Lassen sie uns mit dafür sorgen, dass wieder grössere
Gesichtspunkte im öffentlichen Leben zur Geltung kommen. Die
folgen eines Wahlsystems nach Berufsständen würden wahrscheinlich
die sein, dass wir im Landtage die Minorität bleiben
und dass sich dann nicht einzelne politische Parteien gegenüber
stehen, sondern einzelne Erwerbsgruppen, die für das eigene
Interesse kämpfen und nur da zu Konzessionen bereit sind, wo
ihnen auf der anderen Seite solche gemacht werden. An Gemeinsinn
fehlt es ohnedies schon, lassen Sie uns dafür sorgen, dass