Full text : Gesetz betreffend Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben

Anhang  II.  Ausführungsbestimmungen  für  Preußen.  1ZZ

B.  Zulassung  von  Ausnahmen  für  die  Beschäftigung  bei
öffentlichen  theatralischen  Vorstellungen  und  anderen  öffentlichen ­
  Schaustellungen.
k  6  Abs.  2,  §  9  Abs.  2,  8  15.)
7.  Soweit  Ausnahmen  von  dem  in  8  6  Abs.  1  des  Gesetzes  ausgesprochenen ­
  Verbote  der  Kinderbeschäftigung,  das  nach  8  15  auch  für  die  Beschäftigung ­
  eigener  Kinder  gilt,  beantragt  werden,  ist  der  schriftliche  Antrag
unmittelbar  oder  durch  Vermittlung  der  Ortspolizeibehörde  an  die  untere
Verwaltungsbehörde  zu  richten.
In  dem  Antrage  sind  die  Vorstellung  oder  Schaustellung,  bei  der  die
Kinder  beschäftigt  werden  sollen,  ferner  nach  Möglichkeit  die  Tageszeit,  zu
der  die  Beschäftigung  stattfinden  soll,  sowie  die  Namen  und  das  Alter  der
Kinder  anzugeben.
Die  untere  Verwaltungsbehörde  hat  vor  ihrer  Entschließung  der  Schulaufsichtsbehörde ­
  Gelegenheit  zu  einer  Äußerung  im  Hinblick  auf  die  in  Frage
stehende  Vorstellung  oder  Schaustellung  zu  geben.  Auf  die  einzelnen  in  Frage
kommenden  Kinder  hat  sich  die  Äußerung  nicht  zu  erstrecken.
Die  untere  Verwaltungsbehörde  hat  vor  Gewährung  der  Ausnahme
neben  der  Frage,  ob  bei  der  Vorstellung  oder  Schaustellung  ein  höheres
Interesse  der  Kunst  oder  Wissenschaft  obwaltet,  namentlich  auch  zu
prüfen,  ob  der  Beschäftigung  von  Kindern  überhaupt  und  in  der  in  Aussicht ­
  genommenen  Zahl  sowie  von  Kindern  der  angegebenen  Altersstufe  und
zu  der  angegebenen  Tageszeit  im  vorliegenden  Falle  Bedenken  entgegenstehen,
und  ob  die  Person  des  Leiters  des  Unternehmens  genügende  Sicherheit  dafür
bietet,  daß  die  Kinder  vor  sittlichen  Gefahren  behütet  bleiben.  Sie  hat  ferner
zur  Vermeidung  von  Gesundheitsschädigungcn  der  Kinder  dafür  Sorge  zu
tragen,  daß  das  Auftreten  in  angemessenen  Zwischenräumen
stattfindet.  Für  die  Begrenzung  des  Begriffs  der  Vorstellungen  und  Schaustellungen, ­
  bei  denen  ein  höheres  Interesse  der  Kunst  oder  Wissenschaft  obwaltet, ­
  ist  die  bei  Ausführung  des  8  33  a  der  GO.  gewonnene  Praxis  maßgebend. ­
  Die  sogenannten  Spezialitäten-,  Akrobaten-  und  Artistenvorstellungen,
die  Zirkusaufführungen  und  ähnliche  Veranstaltungen  fallen  daher  nicht  unter
die  Ausnahmebestimmung  des  8  6  Abs.  2  des  Gesetzes.
Durch  die  Ausnahinebewilligung  tvird,  sofern  fremde  Kinder  beschäftigt
werden  sollen,  die  Verpflichtung  des  Unternehmers  zur  Anzeige  (8  10  des
Gesetzes,  Ziffer  9  dieser  Anweisung)  und  die  Verpflichtung  zur  Beschaffung
einer  Arbeitskarte  (§  11  des  Gesetzes;  Ziffer  11  dieser  Anweisung)  nicht
berührt.
            
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