Full text : Zur Frage der Naturalteilung

31

das  ihnen  ausreichenden  Lebensunterhalt  gewährt.  Bei  dem  rein
agrarischen  Charakter  des  Grabfeldes  ist  es  erklärlich,  daß  bei  der
Heirat  beide  Teile,  wenn  sie  aus  dem  nämlichen  Orte  oder  aus  der
nahen  Nachbargemeinde  stammen,  fast  ausschließlich  Grundvermögen  mit
in  die  Ehe  bringen.  So  kommt  nun  wieder  ein  Gut  zustande,  das
dem  jungen  Ehepaare  vorläufig  zu  leben  gibt.  Durch  Streichen  von
Grundstücken,  durch  Hinzukommen  der  Auszugsäcker  beim  Tode  der
Eltern  usw.  wächst  das  Gut  allmählich  an,  daß  es  auch  die  zahlreicher
gewordene  Familie  zu  ernähren  vermag.  Die  so  vollendete,  in  ihrer
Entwickelung  fertige  Besitzgröße  wird  etwa  20—30  Jahre  unter  den
größeren  Gütern  erscheinen,  dann  wird  sie  wieder  in  so  viel  Teile,  als
Kinder  vorhanden  sind,  zerlegt.  Ein  ewiger  Kreislauf!
Diesen  Entwickelungsgang  der  einzelnen  Besitzgröße  läßt  die
Statistik  erkennen.  Es  ist  nun  ganz  natürlich,  daß  die  Zahl  der  Besitzeinheiten ­
  zwischen  1—5  ha  so  groß  ist;  denn  immer  wird  die  Zahl
der  einzelnen  Grundstücksanteile,  die  die  Kinder  bei  der  Teilung  erhalten, ­
  größer  sein  als  die  der  fertigen  Güter.  So  erscheint  also  in
der  Statistik  der  Grundbesitz  der  Kinder,  die  abgeteilt  und  noch  nicht
oder  erst  kurz  verheiratet  sind,  in  den  ersten  Reihen  der  Tabelle.  Treibt
eines  der  Kinder  im  Orte  ein  Gewerbe,  so  veräußert  es  seinen  Grnndstücksanteil
  nicht,  sondern  bewirtschaftet  ihn  selbst.  Daraus  erklärt  sich
die  große  Zahl  der  Gewerbetreibenden  mit  kleinem  Grundbesitz.  Haben
die  Ehegatten  nicht  allgemeine  Gütergemeinschaft  vereinbart,  so  ist  deren
Grundbesitz  rechtlich  getrennt,  wenn  er  auch  wirtschaftlich  von  einem
Betrieb  umfaßt  wird.  Soviel  im  allgemeinen.
Die  Größe  des  Durchschnitts-Grundbesitzes  hängt  in  den  einzelnen
Orten  von  den  besonderen  Verhältnissen  ab.  Je  fruchtbarer  und  wertvoller ­
  der  Boden  ist,  je  mehr  Gewerbe  oder  sonstigen  Verdienst  es  gibt,
je  dichter  die  Bevölkerung  ist,  desto  kleiner  wird  die  Besitzeinheit  sein.
So  ist  es  in  Saal  und  Aubstadt  der  fruchtbare  Boden,  aber  auch  die
dichte  Bevölkerung,  in  Königshofen  das  zahlreiche  Gewerbe,  was  Einfluß ­
  auf  die  Besitzgröße  hat.  Der  Durchschnittsbesitz  ist  in  Gemeinden,
deren  Bewohner  den  Grund  und  Boden  ganz  in  Händen  haben,  wie
z.  B.  in  Althansen,  Großeibstadt,  Herbstadt,  Merkershausen,  größer  als
da,  wo  umfangreiche  Rittergüter  den  wertvollsten  Bestandteil  der
Markung  absorbiert  haben,  wie  z.  B.  in  Höchheim,  Jrmelshauscn,
Waltershansen.
In  neuerer  Zeit  ist  man  bäuerlicherseits  mit  Erfolg  bestrebt,  gemeinschaftlich ­
  den  Kauf  von  großen  Gütern  zu  bewerkstelligen.
Im  Jahre  1892  wurden  133  ha  von  dem  freiherrlich  von
Feilitzsch'schen  Gut  in  Waltershausen  losgelöst;  es  bildete  sich  zur  Erwerbung ­
  dieses  Grundbesitzes  eine  Genossenschaft  mit  unbeschränkter
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.