Object: Die Kaufkraft des Geldes

VIII 
Vorwort zur deutschen Ausgabe. 
Indem ich nun diesen Versuch eines Wiederaufbaus der Quantitäts 
theorie unternehme, erfüllt es mich mit Genugtuung, mich diesmal in der 
Volkswirtschaftstheorie eher bei einer konservativen als bei einer radikalen 
Stellungnahme zu ertappen. Ich empfinde es als Unfug, daß sich aka 
demische Nationalökonomen durch das Gelärm der Interessenten zu Meinungs 
verschiedenheiten über die grundsätzlichen Theorien des Geldwesens verleiten 
ließen. Schuld daran ist die Verwirrung, die politische Streitfragen, mit denen 
der Gegenstand verquickt wurde, gestiftet haben. 
Man hat einmal gesagt, daß selbst die Theoreme Euklids in Frage 
gestellt und angezweifelt würden, wenn sich eine politische Partei gegen 
die andere auf sie beriefe. Jedenfalls hat die „Quantitätstheorie“, seitdem 
sie Gegenstand politischen Streites geworden ist, an Ansehen verloren, und 
es ist sogar so weit gekommen, daß sie von manchen als längst widerlegter 
Irrtum betrachtet worden ist. Die Versuche der Anhänger fauler Währungs 
projekte, von der Quantitätstheorie einen unzulässigen Gebrauch zu machen 
— wie dies im ersten Bryanschen Wahlfeldzuge geschah —, haben manche 
Freunde einer gesunden Währung zur völligen Verwerfung der Quantitäts 
theorie bewogen. Es ist infolgedessen erforderlich, daß die Quantitäts 
theorie aufs neue, insbesondere in Amerika, der allgemeinen Erkenntnis 
zugänglich gemacht werde. 
Neben der Aufgabe, die die Kaufkraft des Geldes bestimmenden Grund 
sätze darzulegen, setzt sich das Buch den Zweck, diese Grundsätze durch 
historische Tatsachen und Statistiken zu illustrieren und auf ihre Richtig 
keit hin zu prüfen. Insbesondere ist das neuerliche Steigen der Preise in seinen 
Einzelheiten untersucht und auf seine verschiedenen Ursachen zurückgeführt 
worden. 
Das Studium der grundsätzlichen und der tatsächlichen Fragen, die sich 
mit der Kaufkraft des Geldes beschäftigen, ist von weit mehr als rein aka 
demischer Bedeutung. Solche Fragen berühren das Wohlergehen jedes 
einzelnen in der zivilisierten Welt. Von jeder Wendung in der Bewegung 
der Preise ziehen Millionen von Menschen Nutzen, während Millionen anderer 
durch dieselbe Bewegung zu Schaden kommen. 
Seit einem Jahrhundert leidet die Welt unter periodischen Veränderun 
gen im Preisniveau, die wechselweise Krisen und Handelsdepressionen ver 
ursachen. Nur durch die Kenntnis ihres Ursprunges und der damit ver 
bundenen Tatsachen können solche Schwankungen in Zukunft vermieden 
oder abgeschwächt werden, und nur durch ihre genaue Kenntnis können 
die Verluste, welche diese Schwankungen nach sich ziehen, aufgehoben oder 
gemildert werden. Es ist nicht zu viel gesagt, wenn man behauptet, daß
	        
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