Full text : Konserven und Konservenindustrie in Deutschland

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Wer  die  Einrichtungen  der  Schlachthäuser  kennt,  wird  mir  zugeben,
daß  Wagen  benutzt  werden  müßten,  um  verendetes  Vieh  in  die
Schlachthäuser  zu  bringen  und  diese  Wagen  würden  von  Tausenden
gesehen  werden.
Präsident  Roosevelt  ist  gegen  die  Trusts  im  allgemeinen,  und
wohl  mit  Recht.  Er  will  die  obligatorische  Fleischbeschau  zum  Gesetz ­
  erheben.  Es  ist  dies  auch  wohl  angebracht.  Fleischbeschauer
und  Tierärzte  hat  man  dort  in  den  Schlachthäusern,  aber  bis  jetzt
konnten  die  Schlächtereien  nicht  durch  Gesetz  gezwungen  werden,
ihr  Vieh  untersuchen  zu  lassen,  wenn  sie  es  nicht  wollten.  Dieser
Grund  ist  wohl  die  Ursache  zum  ganzen  amerikanischen  Schlachthausskandal. ­
  Hier  in  Deutschland  haben  wir  ja  auch  noch  nicht  allzu
lange  die  obligatorische  Fleischbeschau,  und  die  großen  Gutsbesitzer
und  Bauern  brauchen  auch  heute  ihr  Vieh  zum  Selbstgebrauch  noch
nicht  untersuchen  zu  lassen.  Die  Engländer  haben  seinerzeit  ihrem  ,
Militär  verdorbenes  Büchsenfleisch  vorgesetzt  und  die  Soldaten  haben
sich  mit  Recht  geweigert,  es  zu  essen.  Es  ist  aber  auch  manches
Dosenfleisch  jahrelang  alt.  Armour  sollte  seinerzeit  für  die  französische ­
  Armee  Dosenfleisch  liefern,  welches  zehn  Jahre  haltbar  sein
sollte.  Nun  muß  sich  doch  jeder  selbst  sagen,  daß  von  der  Unmenge
der  amerikanischen  Dosen  etliche  durchrosten,  so  daß  Luft  ans  Fleisch
gelangt  und  dieses  natürlich  verderben  wird;  aber  was  können  dafür
die  Schlächter  und  Packer?
Man  sollte  meinen,  die  Herren  könnten  sonst  angeben,  in  welchen
Schlächtereien  diese  Mißstände  vorgekommen  sind.
Nach  allem,  was  ich  aus  den  verschiedenen  Fleisch  Verekelung 5 '
artikeln  herausgefunden  habe,  haben  die  Schreiber  keine  Ahnung  v ° n
der  Einrichtung  eines  Chikagoer  Packhauses,  die  übrigens  jedermann
offen  stehen.“
Ein  anderer  Mann  der  Praxis,  der  Besitzer  einer  der  größte’ 1
deutschen  Fleischkonservenfabriken,  schreibt  u.  a.  in  der  Konservenzeitung ­
  vom  6.  Juli  1906:
„Alle  Gerüchte,  so  mannigfaltig  und  sensationell  sie  auch  sein
mögen,  müssen  mit  aller  Reserve  aufgenommen  werden.  Ich  kenne
die  amerikanischen  Verhältnisse  auch  sehr  genau  und  glaube  wohl
sagen  zu  dürfen,  daß  meines  Erachtens  die  Anschuldigungen  viel  z u
schwere  sind  und  weit  über  das  Ziel  hinausschießen.  Wie  weit  sie
berechtigt  sind,  das  wird  die  Zeit  ja  lehren.  Kein  Fabrikant  —  u11 ^
da  wende  ich  mich  auch  an  uns  deutsche  Konservenfabrikanten  '<
am  ehesten  aber  die  größten  unter  uns,  sind  geschützt  vor  Verleumdungen ­
  durch  ihre  Angestellten,  speziell  aber  entlassenes  Personal
            
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