Full text: Konserven und Konservenindustrie in Deutschland

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Zeiten in Dosen zu konservieren. Diese fertigen Gerichte, die nur 
einer Erwärmung der Büchse bedürfen, um zum Genüsse fertig zu 
sein, haben bereits bei unsern deutschen Offizieren für die Privat 
beköstigung im Manöver, sowie auch teilweise gelegentlich der China- 
und Südwestafrikaexpeditionen guten Absatz gefunden. 
Die Preisverzeichnisse dieser Fabriken enthalten daun auch eine 
derart großartige Speisekarte, daß selbst dem verwöhntesten Fein 
schmecker Rechnung getragen wird. Sowohl einfache Speisen, wie 
Sauerkraut mit Wurst, gelbe Erbsen mit Wurst, Huhn mit Reis und 
Bouillonkartoffeln, als auch Kotelett mit Spargel, Hasenbraten mit 
Grünkohl, Rebhühner und Krammtsvögel werden genußfertig unge 
beten. Dabei sind diese Speisen im Durchschnitt nur wenig teurer, 
als sie im Gasthaus zu haben sind. In Berlin hat sich im Jahre 1904 
eine Gesellschaft m. b. H. unter dem Namen „Calorit“ zusammengetan, 
welche Konserven herstellt, deren eigenartige, aber höchst praktische 
Packung eine sehr schnelle Erwärmung ohne Feuer und ohne weitere 
Apparate ermöglicht. Will man den Inhalt einer solchen Konserven 
dose und zwar in gewärmten Zustande genießen, so genügt ein Durch 
bohren des doppelten Bodens mit einem spitzen Nagel oder Messer 
und die Mahlzeit ist nach 10 Minuten bereits heiß durchwärmt zum 
Genüsse bereit. Die Erwärnlung findet dadurch statt, daß zwei in 
der Umhüllung zunächst getrennt befindliche Substanzen (Kalk und 
Wasser) miteinander vereinigt, sich chemisch verbinden. Da sich der 
Preis der Caloritkonserven trotz der Wärme Vorrichtung nur unbe 
deutend höher stellt als der anderer Konserven, da auch die Wärme 
vorrichtung nur eine geringe Zunahme an Größe und Gewicht be 
dingt, so muß diese feuerlose Konservenerwärmung als eine äußerst 
praktische Erfindung bezeichnet werden, der ein großes Anwendungs 
gebiet offen steht. 
Wie schnell diese Erfindung schon Anklang gefunden hat, be 
weist vielleicht am besten die Meinung eines Arztes, dessen Aus 
führungen hier Erwähnung finden mögen. 
In der Zeitschrift „Das Rote Kreuz“ schreibt der Chefarzt der 
Lungenheilstätte Sorge i. H. Dr. Sobotta über Calorit u. a.: 
„Noch größere Vorteile aber kann man sich davon im Manöver 
oder gar im Kriege versprechen. Wie schwer hält es hier oft, das 
Wasser zum Kochen zu beschaffen, wie schwer und lästig ist es, bei 
Regenwetter ein Feuer anzuzünden, wie lange dauert es, bis das 
Wasser kocht. Was dies im Felde zu bedeuten hat, kann nur der 
ermessen, der dies selbst erfahren hat. Die Caloritkonserve dagegen
	        
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