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schweigischen Konservenindustrie war und blieb der Spargel. Die
Vorzüge des Braunschweiger Konservenspargels wurden in immer
weiteren Kreisen über die Grenzen des Herzogtums hinaus bekannt,
und die Nachfrage steigerte sich mit jedem Jahre. Die Produktion
mußte mit dem wachsenden Bedarf Schritt halten. Immer neue
Kulturen mußten angelegt werden, immer größer wurde die Zahl
der Spargelzüchter.
Längst war der feldmäßige Anbau des Spargels, der ursprüng
lich auf den „Bülten“ 1 ) beschränkt war, vor allen Toren der Stadt in
Angriff genommen und dann allmählich auf die Dörfer ausgedehnt
worden. Es stellte sich heraus, daß der ganze Boden der Braun
schweiger Gegend, wohl 4 Stunden im Umkreise, sich für die Anlage
von Spargel vorzüglich eignete. Viele große und kleine Bauern der
näheren und weiteren Umgebung, Eigentümer wie Pächter, ver
wandelten deshalb größere oder kleinere Teile ihres bisherigen Acker
landes in Spargelplantagen. Dem Charakter der Spargelkultur, die
eine sehr intensive Bewirtschaftung verlangt, entsprechend, sind die
Spargelfelder des einzelnen Besitzers in der Regel nicht sehr um
fangreich; im Durchschnitt umfassen sie etwa 15—20 Morgen. Ein
Besitz von 30—40 Morgen ist daher schon verhältnismäßig groß. Plan
tagen von 100 und mehr Morgen gibt es nur wenige; dieselben sind
fast alle im Besitz der größeren Konservenfabrikanten, die auf diese
Weise einen Teil ihres Bedarfes durch eigene Kulturen decken; der
größte Braunschweiger Spargelzüchter ist daher wohl immer noch
Gustav Grahe, der Spargelplantagen von einer Größe von 600 Morgen
besitzt.
Den Übergang zum feldmäßigen Spargelbau vollzogen die
Landwirte natürlich um so leichter, je mehr in ihren Kreisen die
wirtschaftlichen Vorteile bekannt wurden. In der Tat gibt es kaum
ein Gewächs, welches eine bessere und sicherere Rente vom Boden zu
gewinnen gestattet, als der Spargel. Es wird je nach der Qualität
des Bodens, dem Alter der Kultur, der Intensität der Bewirtschaftung
und nach den Witterungsverhältnissen von einem Morgen Spargel
land ein Bruttoertrag von 300, 400, 500 und 600 M. (im Durchschnitt
400 M.) in einem Jahr erzielt. Die Aussicht eines verhältnismäßig
hohen Gewinnes veranlaßte übrigens auch viele kleinere Kapitalisten
aus der Stadt Braunschweig zu Spargelkulturen. Zahlreiche Hand
werker, Kaufleute und kleinere Beamte nahmen, meist gegen hohen
Zins, von den größeren Grundbesitzern der Umgegend einige Morgen
Land in Pacht, um darauf Spargelbau zu betreiben.
1) Bülten ist eine Feldfläche in der Braunschweiger Umgebung.