Full text: Konserven und Konservenindustrie in Deutschland

58 
die vom Standpunkte der Konservenfabrikanten die allergrößten Be 
denken erhebt, wenn etwa beabsichtigt sein sollte, die deutsche 
Konservenindustrie in die Geltung der geplanten gesetzlichen Maß 
nahmen einzuschließen. In der Eingabe wird der Beweis erbracht, 
daß Ursachen für gesetzliche Eingriffe in die Arbeitszeit der Kon 
servenfabriken nicht gegeben sind. Diese Eingabe der deutschen 
Konservenindustrie hat von einzelnen Regierungen und auch von 
verschiedenen Handelskammern Unterstützung erfahren. — Auch 
der Bund der Industriellen in Deutschland beabsichtigt die Abfassung 
einer Denkschrift, worin gegen eine etwaige Einführung des Zehn 
stundentages Stellung genommen wird. 
5. Die momentane Überproduktion in der Gemüsekonservenindustrie 
und die Maßnahmen zu ihrer Beseitigung. 
Seit ungefähr xo Jahren (1894/95) haben sich die Verhältnisse 
der Konservenindustrie im allgemeinen nach der ungünstigen Seite 
verschoben. Die guten Erträge, welche der Gemüsebauer während 
der ersten Jahre gegenüber den verhältnismäßig geringeren Erträgen 
in den übrigen landwirtschaftlichen Produkten aufwies, haben die 
Neigung für den Anbau von Gemüsen, beziehentlich für die Errich 
tung von Konservenfabriken stark vermehrt. Diese Entwicklung 
hat eine weitere Förderung durch die Bemühungen der landwirt 
schaftlichen Fachorgane, Vereine und Behörden erhalten. Ganz be 
sonders aber hat die Errichtung von Genossenschaftsfabriken auf 
diesem Gebiete zu einer starken Steigerung der Produktion geführt. 
Viele Landwirte, die früher an Konservenfabrikanten ihre Gemüse 
geliefert hatten, glaubten ihren Verdienst durch den Zusammenschluß 
und die Errichtung einer Genossenschaftsfabrik erheblich erhöhen zu 
können. Meist fehlte es aber diesen Genossenschaftsfabriken, die 
sofort mit erheblicher Produktion von Konserven begannen, an ge 
eigneten Leitern, die imstande waren, für diese Produktion geeigneten 
Absatz zu finden. Damit die einzelnen Genossen nun im folgenden 
Jahre wieder Gemüse anbauen konnten, wurden die hergestellten 
Konserven, die oft auch an Qualität sehr zu wünschen übrig ließen, 
bedeutend unter den LIerstellungspreisen verschleudert, der Markt 
wurde mit Konserven überschwemmt. Die Überproduktion an Ge 
müsekonserven, die bereits in den günstigen Gemüsejahren 1894 und 
1895 begann, steigerte sich immer mehr und erreichte ihren Höhe 
punkt im Jahre 1902. Im Frühjahr des genannten Jahres waren die 
Lager der einzelnen Konservenfabriken, die sonst um die gleiche Zeit
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.