Full text : Konserven und Konservenindustrie in Deutschland

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B.  Läßt  sich  eine  weitere  Beschränkung  der  Arbeitszeit  für
Arbeiterinnen  ohne  ernstliche  Gefährdung  der  Konservenindustrie ­
  überhaupt  durchführen?
Wie  in  dem  Vorhergegangenen  schon  wiederholt  nachgewiesen
wurde,  lassen  die  inneren  und  äußeren  Verhältnisse  der  deutschen
Konservenindustrie  nicht  nur  keine  weitere  Einengung  der  für  Arbeiterinnen ­
  freigelassenen  Zeit  ohne  erhebliche  Schädigung  dieser
Industrie  zu,  sondern  erfordern  im  Gegenteil  mit  Dringlichkeit  eine
entsprechende  größere  Bewegungsfreiheit.  Bei  der  Regulierung  der
Arbeitszeit  ist  doch  wohl  ein  erheblicher  Unterschied  zu  machen,
welcher  Art  die  Arbeit  ist,  ob  diese  dauernd  oder  nur  in  beschränkten
Zeitabschnitten  geleistet  wird,  ob  sie  nach  der  Natur  ihres  Rohproduktes ­
  und  ihrer  Verarbeitung  den  gesetzlichen  Maßnahmen  sich  überhaupt ­
  anzupassen  vermag,  oder  wie  in  der  Konservenindustrie  in  so
unmittelbarer  Abhängigkeit  von  ihren  Rohstoffen  steht,  daß  sie  gar
nicht  in  der  Lage  ist,  sich  in  ein  allgemeines  Schema  einzuordnen.
Die  Konservenindustrie  kann  eine  mechanische  gleichmäßige  Behandlung, ­
  wie  sie  für  Spinnereien,  Webereien  und  ähnliche  Industriezweige ­
  durchführbar  ist,  nicht  vertragen,  weil  auch  die  Natur,  welche
dieser  Industrie  die  Rohprodukte  schafft,  nicht  gleichmäßig  produziert. ­
  Wenn  die  Sonne  über  der  Spargelplantage  einige  Tage  hindurch ­
  die  Pflanzen  im  raschen  Wachstum  aus  der  Erde  hervorsprießen
läßt,  müssen  alle  vorhandenen  Arbeitskräfte  eilends  die  Pflanzen
bergen  und  die  Ernte  muß  ebenso  eilends  durch  Zusammenwirken
aller  verfügbaren  Kräfte  geschält,  blanchiert,  gekocht,  eingelötet
werden.  In  solcher  Zeit  Einhalt  gebieten  wollen,  wäre  genau  dasselbe, ­
  wie  wenn  man  dem  Landwirt  gebieten  wollte,  wann  und  wie
er  sein  Getreide  oder  Heu  bergen  soll,  und  doch  verträgt  die  Aberntung
  von  Getreide  usw.  noch  eher  eine  Verschiebung  auf  den
nächsten  Tag,  als  der  Spargel  oder  die  Erbse,  die  wertlos  wird,  wenn
man  sie  nicht  rasch  verarbeitet.
Hiergegen  hilft  -  aber  kein  Aushilfsmittel,  welches  sonst  vielleicht ­
  bei  anderen  Industrieen  möglich  ist,  wie  z.  B.  eine  Vermehrung
der  Hilfskräfte,  und  zwar  schon  deshalb  nicht,  weil  solche  Hilfskräfte
für  bestimmte  einzelne  Tage  oder  Wochen  im  Jahre  gar  nicht  zu
haben  sind,  und  selbst  wenn  sie  vorhanden  wären,  noch  nicht  gleich
eingeschult  sind.  Der  Ausgleich  kann  auch  nicht  etwa  durch  Mehreinstellung ­
  männlicher  Hilfskräfte  erfolgen,  denn  das  Vorbereiten  der
Gemüse  ist  eben  eine  spezifisch  weibliche  Arbeitsleistung,  für  die
Männer  überhaupt  nicht  zu  gewinnen  sind.
            
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