Full text : Magdeburger Großkaufleute

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sah,  dachte  ich,  das  wird  wohl  der  richtige  sein,  und  sprach  ihn  infolgedessen  an  —und  ich  hatte
richtig  geraten—Mein  späterer  langjähriger  Chef  engagierte  mich  ausEmpfehlung  desWöhlertschen
  Oberingenieurs  für  die  gleiche  Stellung,  und  ich  trat  1855  als  solcher  in  die  Stuttgarter
Maschinenfabrik  ein.  Es  war  kühn,  dieses  Engagement  anzunehmen,  da  ich  all  die  Maschinen
usw.,  die  bei  Kuhn  fabriziert  wurden,  niemals  in  dem  technischen  Bureau  zu  Berlin  konstruktiv
unter  die  Finger  bekommen  hatte,  sondern  nur  durch  meinen  Privatfleiß  einigermaßen  wußte,  wie
eine  Dampfmaschine  oder  ein  Dampfkessel  gemacht  werden  müßte;  doch  ich,  ein  noch  ganz  junger
Kerl,  dachte  mir,  na,  wenn  es  geht,  ist  es  gut,  wenn  es  nicht  geht,  gehe  ich.  Lind,  Gott  sei  Dank,
es  ging!  Das  Vertrauen  meines  verehrten  Chefs  in  der  Stuttgarter  Fabrik  erlangte  ich  sofort
dadurch,  daß  gleich  nach  meinem  Antritt  eine  Fördermaschine  von  der  Württemberger  Salinen-Verwaltung
  bestellt  wurde  und  eine  im  Modell  vorhandene  Dampfmaschine  mit  Umsteuerung
versehen  werden  sollte.  Bon  Wöhlert  her  lag  mir  von  den  Lokomotiven  die  Amsteueruugskonstruktion
  imKopf  und  in  den  Fingern  wie  gar  nichts,  und  die  Maschine  fiel  zur  Zufriedenheit  aus.
Die  Kuhnsche  Fabrik  entwickelte  sich  zusehends,  und  ich  hatte  kolossal  zn  tun,  denn  wir  bauten
Dampfmaschinen,  Kessel-  und  Transmissionen,  Schneidemühlen  lind  Dampfbrauereien,  überhaupt ­
  alles,  was  die  Leute  wollten.  So  war  der  Sommer  1861  herangekommen,  und  ich  wollte
gern  die  Schweiz  mal  sehen.  Mein  Chef  gab  mir,  nachdem  ich  fünf  Jahre  nicht  ans  der  Fabrik
herausgekommen  war,  nicht  sehr  freundlich  den  erbetenen  Arlaub,  aber  der  Topf  verlor  den
Boden,  als  ich  statt  14  Tage  16  Tage  ausgeblieben  war  und  mein  Chef  meine  Meldung  mit  den
Worten  entgegennahm:  „Ich  glaubte,  Sie  wollten  gar  nicht  mehr  wiederkommen!"  Wenn  nun
auch  diese  Bemerkung  ihre  Erklärung  fand  in  den  damaligen  Zeitverhältniffen,  unter  welchen  es
noch  nicht  so  leicht  war,  Arlaub  zu  erhalten,  wie  heute,  so  fühlte  ich  mich  doch  begreiflicherweise
dadurch  verletzt,  weil  ich  mir  bewußt  war,  einen  solchen  Empfang  nicht  verdient  zu  haben.  Leute
freilich  ist  meine  damalige  Verstimmung  längst  dem  Gefühl  der  Dankbarkeit  gegen  das  Geschick,
welches  durch  diesen  Zwischenfall  die  Gründung  meiner  eigenen  Fabrik  herbeigeführt  hatte,  gewichen. ­
  Ich  setzte  mich  nämlich  sofort  zu  Lause  hin  und  schrieb  einen  Kündigungsbrief  mit  dem
Gedanken,  nach  Magdeburg  zu  gehen,  um  mich  dort  zu  etablieren.  Mein  Chef  wollte  mich  aber
gar  nicht  gehen  lassen  und  versprach  mir  goldene  Berge,  wenn  ich  bliebe.  Ich  beharrte  jedoch  fest
bei  meinem  Entschluß,  nur  plagte  mich  der  Gedanke,  was  ich  wohl  eigentlich  inMagdeburg  bauen
sollte.  Da  fuhr  es  wie  ein  Blitz  in  mich,  den  Lokomobilbau  als  Spezialität  zu  betreiben,  und  so
ist  es  ja  auch  geworden  und  geblieben.  Daß  ich  Buckau  wählte,  die  Fabrik  zu  errichten,  lag  bei  mir
in  der  Idee,daß  dieMaschinenfabrickBuckau  denOrt  schon  lange  als  Maschinenbauplah  bekannt
gemacht  hatte,  obgleich  ich,  als  ich  die  Lehre  beendet  hatte,  mir  sagte:  „nach  Buckau  gehst  Du  nicht
wieder",  weil  ich  ein  unangenehmes  Quartier  gehabt  hatte  und  das  Dorf  selbst  fchmutzstarrend
war.  —  Als  ich  in  der  Feldstraße  neu  gebaut  hatte,  wollte  ich  natürlich  Arbeit  heranschaffen  und
reiste  in  der  Amgegend  herum,  aber  ich  kam  fast  immer  mit  dem  mir  überall  gegebenen  Trost
zurück,  „man  wolle  an  mich  denken!"  —  Der  erste,  der  infolge  meines  herumgesandten  Zirkulars ­
  zu  mir  kam,  war  der  Lerr  Amtsrat  Fischer  aus  Calbe  a.  d.  S.;  ich  zeigte  ihm  die  Konstruktion ­
  meiner  Lokomobilen,  und  er  bedauerte  sehr,  einige  Zeit,  ehe  er  bei  mir  war,  anderweitig
eine  Lokomobile  gekauft  zu  haben.  Das  war  ein  schöner  Trost,  aber  jener  Besuch  trug  doch
Früchte,  denn  acht  Tage  später  kam  der  Sohn  des  Amtsrat  Bennecke  aus  Athensleben,  Lerr
Dr.  Bennecke,  zu  mir  und  sagte,  da  sein  Vater  eine  achtpferdige  Lokomobile  kaufen  wollte,
hätte  der  Amtsrat  Fischer  mich  für  die  Lieferung  empfohlen.  Nachdem  ich  demselben  meine
            
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