Full text: Magdeburger Großkaufleute

Herrschaft gewinn' ich, Eigentum. 
Die Tat ist alles, nichts der Ruhm! 
errschaft willsich Faust gewinnen, als er, „der Weis 
heit letzten Schluß" vorausahnend, sich nun ent 
schließt, in der 'Arbeit des Lebens höchsten Genuß, 
des menschlichen Daseins edelste Freude 51t suchen. 
Ein Herrsch er will erwerben über Güter desLandes 
und Meeres. And ist das nicht mich das Ziel großer 
Kaufleute, wagender und werbender Industrieller 
und Handelsleute? Gewißlich! Spricht doch der 
modernsten Kaufleute einer, Andrew Carnegie, 
vom „Empire of business“ von der wirtschaftlichen 
Herrschgewalt, die der Kaufmann zu erringen trachten soll und, wenn er seinen 
Berns ausfüllt, auch erringt. Wenn Fürsten und Staatsmänner, Künstler, 
Dichter und Gelehrte darauf sinnen, sich Ansterblichkeit zu gewinnen, der Kauf 
mann sucht nach Herrschaft im Reiche der Güter. Im Wirken und Schaffen selbst 
findet er seine Genugtuung, findet er die sittliche Weihe seines Berufes. Die Tat 
ist ihm alles, freilich nicht nur die Tat des Erwerbens von Eigentum, sondern 
auch der schwere aufopferungsvolle Dienst für die Allgemeinheit. Wessen Geist 
so beschaffen, so gerichtet unt> so beschäftigt ist, der kann für den Ruhm, den die 
Zukunft spendet,nichts übrig haben. So sehen wirdenn auch, daß die vergangenen 
Generationen des Kausmannstandes, obwohl gerade sie dem deutsche« Kauf 
mann die Bedeutung errangen, die er für unser Wirtschaftsleben besitzt, selbst so 
gut wie nichts getan haben, von ihrem Wirken Zeugnis abzulegen. 
Welch unschätzbaren Wert würde es haben, wenn die Männer, von denen 
im nachstehenden die Rede ist, über ihr Leben und ihre Erfahrungen Aufzeich- 
nungen gemacht hätten. Das wäre nicht nur eine Freude und ein Stolz für die 
Enkel, nicht nur ein Sporn für den kaufmännischen Nachwuchs, nicht nur eine 
Quelle der Belehrung für Leiter großer gewerblicher Anlagen aller Art, das 
wäre auch ein reicher Gewinn für die deutsche, insbesondere die Magdeburger 
Wirtschaftsgeschichte, der nur zu sehr die „persönliche Note" fehlt. 
Was uns über Magdeburger Kaufleute, die ihrer „amtlichen Vertretung" 
nahe standen, erhalten ist, sind Aufzeichnungen von Verwandten, sowie Briefe, 
Geschäfts-Zirkulare und Bilanzen — leider nur von einer Firma! — endlich 
Glückwunsch-Adressen, Todesanzeigen u. dgl. mehr.
	        
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