Hierhin und dorthin verstreute Steine mußten von lins mühsam znsannnen-
gesucht werden. Kein Wunder, wenn die Mosaik des entstandenen Bildes Lücken
und Mängel zeigt. Die vielfache Verwendung der Iubiläums-Adressen mit
ihrem Wunsche, Anerkennung 511 bezeugen, während für deren klug abwägende
Begründung kein Platz blieb, trifft nicht immer das, was uns das Wichtigste
ist' doch ließ sich die Darstellung nicht ohne sie gestalten, wollte man nicht iiber-
Haupt darauf verzichten, den Eindruck zu schildern, den hervorragende Magde
burger Kaufleute auf ihre Zeitgenossen machten.
Möge der Magdeburger Kaufmannstand ans dieser Schrift die Überzeugung
gewinnen, daß für die Schreibung der Magdeburger Wirtschaftsgeschichte mehr
getan werden muß, inöge er es als seine Pflicht erkennen, der Zukunft zum
mindesten jene kaufmännischen Aufzeichnungen zu erhalten, die der Niederschlag
seiner kaufmännischen „Taten" sind, seine Geschäftsbücher.
Die Handelskammer 51t Magdeburg hat es sich seit Jahren angelegen sein
lassen, den Sinn für Wirtschaftsgeschichte zu schärfen. Ihr Aktenmaterial ist
zum Teil erschlossen und wird noch mehr bearbeitet werden. Wichtige Urkunden,
wie die „Willkühr" der „Kaufleute Brüderschaft" ans dem Jahre 1678, das
„Reglement, wornach die Handels-Bursche sich zu achten" vomIahre1751, der
„Kaufleute Kinderbuch" vom Jahre 1648, sind vervielfältigt worden, und im
Jahre 1899 forderte dieHandelskannner alle eingetragenen Firmen,Fabrikelt und
Handlungshäuser ihres Bezirkes auf, ihr für ihr Archiv die Geschichte ihres
Unternehmens zu schreiben und Preislisten, alte Zirkulare u. dgl. m. einzureichen.
Wenn wir jetzt das vorliegende Werk herausgeben, 511 dessen Bearbeitung der
Unterzeichnete durch das Tagebuch seines Großvaters, eines Danziger Kauf
mannes, angeregt wurde, so hoffen wir zuversichtlich, das Interesse der Magde
burger Kaufmannschaft an der Geschichte sowohl ihrer Firmen und ihrer in
dustriellen Anlagen, als auct> ihrer Familien neu zu beleben.
Möge die Zukunft, gestützt auf reicheres Material, mehr zu bieten imstande sein.
Magdeburg, Anfang Mai 1906. Dr. Behrend,
Syndikus der Handelskammer.