Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

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Untersuchung  von  Boden.

im  Boden  gelösten  Phosphorsäure  für  viele  Jahre  ausreicht.  Ferner  hat  Th.  Schlößing
noch  0,01  und  0,1  °/ 0 -ige  Salpetersäure  als  Lösungsmittel  benutzt.  Sigmund 1 )  wendet
ebenfalls  Lösungen  von  0,1—0,2  °/ 0 -igem  Salpetersäureanhydrid  (N a 0 6 )  an  und  glaubt  auf
Grund  von  gleichzeitigen  Anhauversuchen  schließen  zu  dürfen,  daß  calciumkarbonatreiche
Böden  ein  Bedürfnis  nach  Phosphorsäure  haben,  wenn  sie  weniger  als  0,04  °/ 0 ,  caloiumkarbonatarme
  Böden  dagegen  ein  Bedürfnis  nach  Phosphorsäure  haben,  wenn  sie  weniger
als  0,025°/ 0  in  obiger  Salpetersäure  lösliche  Phosphorsäure  enthalten.  B.  Sjollema *  2 )
kommt  indes  zu  dem  Schluß,  daß  alle  diese  Verfahren,  hei  denen  der  Boden  mit  einer
schwachen  Säure  oder  einem  Salz  behandelt  wird,  in  chemischem  Sinne  eine  wissenschaftliche
Grundlage  nicht  besitzen.  Das  ist  gewiß  richtig  und  ist  auch  wohl  von  keiner  Seite  behauptet
worden;  wir  haben  es  im  Boden  nicht  mit  rein  chemischen,  sondern  mit  chemischphysiologischen ­
  Vorgängen  zu  tun,  und  diese  letzteren  lassen  sich  kaum  in  eine  chemische
Eeaktionsformel  bringen.  Ich  führe  die  verschiedenen  Versuchsergehnisse  hier  nur  an,  um
zu  zeigen,  daß  es  doch  nicht  unmöglich  erscheint,  auf  dem  einen  oder  anderen  Wege  zu
für  die  Praxis  genügenden  Anhaltspunkten  zu  gelangen;  heute  ist  es  allerdings  noch  nicht
möglich,  auf  Grund  der  chemischen  Untersuchung  des  Bodens  bestimmte  Düngungsvorschriften ­
  zu  geben.
5.  Bestimmung  der  im  adsorbierten  Zustande  in  der  Ackererde  vorhandenen
Nährstoffe,  Kali,  Kalk,  Magnesia.  0.  Kellner 3 )  hat  gefunden,  daß  eine  gesättigte
Salmiaklösung  das  im  Boden  vorhandene,  adsorptiv  gebundene  Kali  (und  auch  Kalk)  in
Lösung  bringt,  dagegen  das  in  anderer  Form  vorhandene  Kali  nicht  angreift.  Er  sättigte
verschiedene  Böden  mit  Kali  und  ließ  dann  Salmiaklösung  darauf  ein  wirken;  die  dadurch
gelösten  Kalimengen  waren  gleich  den  vorher  adsorbierten  -j-  den  Mengen,  welche  der
Boden  im  ursprünglichen  Zustande  ohne  adsorptiv  zugeführtes  Kali  an  die  Salmiaklösung
abgah.  Kellner  verfährt  wie  folgt:
20  g  Boden  werden  in  eine  geräumige  Platinsohale  gebracht  und  mit  50  ccm  einer
in  der  Kälte  gesättigten  Lösung  reinen  Salmiaks  ! / 2  Stunde  lang  auf  dem  Wasserbade
unter  häufigem  Umrühren  mit  einem  Platinspatel  behandelt.  Nach  dem  Absetzen  des
Bodens  wird  die  überstehende  Lösung  durch  ein  kleines  Filter  gegossen  und  mit  heißem
Wasser  nachgespült.  Sodann  wird  die  Behandlung  von  neuem  mit  50  ccm  Salmiaklösung
in  derselben  Weise  wiederholt,  bis  ein  Teil  des  Filtrats  heim  Abdampfen  über  der  Flamme
keinen  Eückstand  mehr  hinterläßt.  Dieses  wird  nach  15—20-maligem  Ausziehen  erreicht;
die  Filtrate  werden  in  einer  Literflasche  gesammelt,  bis  zur  Marke  verdünnt  und  in  einem
aliquoten  Teil  Kali,  Kalk  und  Magnesia  bestimmt.
Kellner  hat  sodann  in  einem  Boden  tunlichst  viele  Pflanzen  (Erbsen)  gezogen
und  die  im  Boden  adsorptiv  gebundenen  Basen  Kali,  Kalk  und  Magnesia  vor  und  nach
dem  Wachstum  nach  vorstehendem  Verfahren  bestimmt;  er  findet,  daß  die  von  den  Pflanzen
aufgenommenen  Mengen  Kali  und  Kalk  (für  Magnesia  traf  dieses  nicht  zu)  den  nach
der  Entwicklung  noch  vorhandenen  Mengen  Kali  und  Kalk  gleich  waren  den  Mengen  Kali
und  Kalk,  welche  vor  dem  Wachstum  der  Pflanzen  im  Boden  im  adsorptiv  gebundenen
Zustande  vorhanden  waren.  Kellner  schließt  hieraus,  daß  Kali  und  Kalk  nur  im  adsorptiv
gebundenen  oder  gelösten  Zustande  zur  Ernährung  der  Pflanzen  dienen,  daß  sie  dagegen
aus  schwer  löslichen  Verbindungen  (wasserfreien  Silikaten  usw.)  von  den  Wurzeln  nicht
aufgenommen  werden.
Wenn  sich  diese  Beobachtung  auch  auf  anderen  Bodenarten  allgemein  bestätigt,  so
ist  dieses  Verfahren  ein  wesentlicher  Fortschritt  in  der  Bodenuntersuchung.  Die  Untersuchungen
von  D.  Meyer 4  * )  über  die  Kalkverbindungen  der  Ackererde  und  deren  Löslichkeit  in
10°/ 0  Chlorämmoniumlösung  sprechen  für  die  angeführten  Ergebnisse  Kellners.
A.  Eümpler 6 )  glaubt  im  Kalkwasser  (oder  in  einer  2%-igen  Chloroalciumlösung)
  ein  Lösungsmittel  für  die  Bestimmung  des  leicht  löslichen  bezw.  in  Zeolithform
D  Wiener  Landw.  Ztg.  1902,  42,  362.
2 )  Chem.-Zeitung,  1901.  25.  311.
3 )  Landw.  Versuchs-Stationen  1887,  33,  359.
4 )  Landw.  Jahrbücher  1900,  29,  913.
6 )  Landw.  Versuchs-Stationen  1901,  55,  149  u.  Die  deutsche  Zuckerindustrie  1901-
            
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