Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

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Bestimmung  des  GesamtrStiokstoffs.

In  den  Laboratorien  sind  vorwiegend  die  Indikatoren  der  1.  und  2.  Gruppe
in  Gebrauch;  die  Indikatoren  der  l.ten  Gruppe  bilden  schon  mit  schwachen  Basen
Salze,  die  durch  schwache,  d.  h.  wenig  dissoziierte  (ionisierte)  Säuren  nicht  zersetzt
werden;  sie  sind  daher  zur  Titration  von  Basen,  auch  der  schwachen,  bei  Gegenwart
von  schwachen  Säuren,  wie  Kohlensäure,  sehr  geeignet  und  werden  mit  V  orliebe
bei  vorstehender  Titration  benutzt. 1 )
Die  Indikatoren  der  2.  u.  3.teu  Gruppe  dagegen  gehen  in  verdünnten  Lösungen  mit
schwachen  Basen,  wie  Ammoniak,  keine  Verbindung  mehr  ein  und  die  Salze  mit  den
stärkeren  Basen  werden  schon  durch  wenig  dissoziierte  Säuren,  wie  Kohlensäure,
-Essigsäure  u.  a.,  zersetzt,  sie  sind  daher  besonders  zur  Titration  schwacher  Säuren
mit  starken  Basen  (Kali,  Natron,  Baryt)  geeignet.
2.  Salpetersäurehaltige  Stoffe  bezw.  Salpeter.  In  salpetersäurehaltigen  Stoffen
wie  in  Salpeter  selbst  kann  der  Stickstoff  nach  den  Verfahren  von  M.  Jodlbaur
und  0.  Förster  bestimmt  werden,  für  Salpeter  allein  vergl.  auch  unter  „m.  Salpeter-Stickstoff“
  S.  144.

a)  Verfahren  von  Jodlbaur; 2 )  0,5  g  des  fein  zerriebenen  Salpeters  oder
etwa  1,0  g  des  salpetersäurehaltigen  Stoffes  werden  in  einer  Reibschale  mit  2  3  g
gebranntem,  fein  gepulvertem  Gips  innig  vermischt  und  diese  Mischung  in  den
Kjeldahl-Kolben  gebracht.  Dieselbe  wird  in  dem  Kolben  unter  Abkühlung  mit
25  ccm  Phenolschwefelsäure, 8 )  welche  40  g  Phenol  für  1  1  konzentrierte  Schwefelsäure ­
  von  66°  Be.  enthält,  versetzt  und  durch  leichtes  Hin-  und  Herbewegen  mit
4er  Säure  gemengt.  Nach  Verlauf  von  ungefähr  5  Minuten  fügt  man  ganz  all-■uählich
  und  unter  Abkühlung  des  Kolbens  2—3  g  durch  Waschen  mit
Wasser  gereinigten  Zinkstaub,  sowie  2  Tropfen  metallisches  Quecksilber  hinzu.
Nun  wird  die  Mischung  gekocht,  bis  die  Flüssigkeit  nicht  mehr  gefärbt  ist;  nach  dem
Erkalten  wird,  wenn  in  einem  kleinen  Kolben  verbrannt  wird,  in  den  Destillationskolben ­
  übergespült,  mit  Natronlauge  übersättigt,  25  ccm  Schwefelkaliumlösung  (40  g
N 2 S  zu  1  1)  hinzugefügt  und  das  Ammoniak  abdestilliert.
Anm.  Von  wesentlichem  Belang  für  die  Sicherheit  dieses  Verfahrens  ist,  daß  die
zu  verbrennenden  Stoffe  nicht  zu  feucht,  sondern  genügend  trocken  sind.
Statt  der  Phenolschwefelsäure  ist  auch  eine  Auflösung  von  Benzoesäure  (75  g  für
1  1)  oder  von  Salizylsäure  in  konzentrierter  Schwefelsäure  vorgeschlagen.
b)  Verfahren  von  0.  Förster: 4 )  0,6  g  Salpeter  bezw.  1,0  g  eines  salpetersäurehaltigen ­
  Stoffes  —  oder  Lösungen  derselben  nach  vorherigem  Eindampfen  im
Kjeldahl-Kolben  —  werden  in  letzterem  mit  15  ccm  einer  6°/ 0 -igen  Phenolschwefelsäure ­
  oder  mit  15  ccm  einer  6  °/ 0 -igen  Salizylsäure-Schwefelsäure  vermischt,
bis  Lösung  eingetreten  ist;  alsdann  werden  bis  zu  6  g  unterschwefligsaures  Natrium,
sowie  nach  Zersetzung  dieses  Salzes  noch  10  ccm  reine  Schwefelsäure  und  das  nötige
Quecksilber  hinzugefügt  und  darauf  erhitzt.  Nach  der  vollzogenen  V  erbrennung
wird  weiter  wie  gewöhnlich  verfahren.

’)  Bei  Verwendung  dieser  Indikatoren  schadet  auch  ein  schwacher  Gehalt  der
Natronlauge  an  Kohlensäure  nicht.  Herfeld-Bonn  verdünnt  hei  Anwendung  von  Methylorange ­
  250  ccm  der  zur  Destillation  verwendeten  Natronlauge  zu  10  1,  um  Normallauge
herzustellen.
2 )  Landw.  Versuchs-Stationen  1888,  35,  447.  Das  Verfahren  ist  auch  vom  V.  intern.
Kongreß  f.  angew.  Chemie  angenommen.
3 )  Das  Phenol  wird  durch  die  Salpetersäure  nitriert;  beim  weiteren  Verlaufe  wird
die  Nitrogruppe  in  die  Amidogruppe  übergeführt  und  schließlich  schwefelsaures  Ammon
gebildet.
4 )  Chem.-Zeitung  1889,  13,  229;  1890,  14,  1673,  1690.
            
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