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Futtermittel.
verständlich noch Kupfer in Lösung und es bedarf keiner Prüfung. Ist das Filtrat
dagegen gelb, so muß es auf Kupfer geprüft werden. Dies geschieht, indem man
das Filtrat mit Essigsäure ansäuert und mit frisch bereiteter Ferrocyankaliumlösung
versetzt. Dunkle Eotfärhung zeigt eine größere Menge, Eosafärhung nur Spuren
von Kupfer an; das Ausbleiben deutet auf eine vollständige Eeduktion des Kupfers
und damit auf einen Überschuß der Zuckerlösung hin. Um den Punkt zu finden,
hei welchem die Zuckerlösung eben hinreicht, um sämtliches Kupfer auszufällen,
muß nun mit der Titration so lange fortgefahren werden, bis von 2 aufeinander
folgenden Titrationen die eine eben noch eine Spur Kupfer anzeigt, während die
darauffolgende, mit einer um 0,1 ccm vermehrten Menge Zuckerlösung ausgeführte
Titration eine vollständige Eeduktion ergibt. Die wahre, 50 ccm Fehlingsche
Lösung genau reduzierende Menge der Zuckerlösung liegt mitten zwischen den zwei
Ergebnissen. Die in der angewendeten Anzahl ccm der Zuckerlösung enthaltene
Menge der betreffenden Zuckerart berechnet sich leicht aus den von Soxhlet für
die verschiedenen Zuckerarten gefundenen Eeduktionswerten, wonach in etwa 1 %-igen
Lösungen 50 ccm Fehlingsche Lösung entsprechen:
= 0,2365 g Glukose,
= 0,2470 „ Invertzucker,
= 0,2572 „ Fruktose,
= 0,3890 „ Maltose,
= 0,3380 „ kristallisierter Laktose.
Bei gefärbten Flüssigkeiten läßt sich im Filtrat der Eintritt der Eeaktion
mit Ferrocyankalium schlecht oder nicht erkennen. Soxhlet hat dafür folgendes
Verfahren angegeben; Das Filtrat wird mit einigen Tropfen Zuckerlösung versetzt,
etwa 1 Minute lang gekocht und dann 3—4 Minuten stehen gelassen. Gießt man
nun vorsichtig ab, so ist ein Niederschlag entweder sofort oder dann zu erkennen,
wenn man mit einem um einen Glasstab gewickelten Stück Filtrierpapier über den
Boden wischt, welches durch am Boden haftende Spuren Kupferoxydul rot ge
färbt wird.
In einigen Fällen, wo der Zuckergehalt annähernd bekannt ist, kann man
sich auch des Eeischauerschen Titrationsverfahrens bedienen. Man gibt in
6 Proberöhrchen des sogenannten Eeischauerschen Sternes, befestigt an einem
Stativ mit Klemmvorrichtungen, je 5 ccm der Zuckerlösung, welche für diese Be
stimmung nicht mehr als 0,58 g Glukose bezw. Maltose in 100 ccm enthalten darf,
dazu 1, 2, 3, 4, 5 und 6 ccm der Fehlingschen Lösung, taucht den Stern in ein
kochendes Wasserbad und läßt ihn 20 Minuten darin. Alsdann nimmt man her
aus und sieht zu, wie die überstehende Flüssigkeit in den einzelnen Eöhrchen ge
färbt ist, blau, grün oder gelb usw., d. h. ob alles Kupfer ausgefällt ist oder nicht.
Um sich sicher zu überzeugen, ob in der gelb erscheinenden Flüssigkeit eines
Proberöhrchens noch Kupfer vorhanden ist oder nicht, filtriert man einen Teil ab
und prüft das Filtrat mit Essigsäure und Ferrocyankalium; eine Eotfärbung gibt
die Anwesenheit von Kupfer kund.
Hat man bei 2 aufeinander folgenden Proberöhrchen die An- und Abwesen
heit von Kupfer festgestellt, so variiert man die Kupfermenge zwischen diesen um
Zehntel ccm; waren die Endpunkte z. B. zwischen 3 (gelb bezw. kupferfrei) und 4 (grün
bezw. kupferhaltig), so nimmt man 3,16, 3,40, 3,60, 3,75 und 3,90 ccm Fehlingsche
Lösung; liegen die Endpunkte jetzt zwischen 3,40 und 3,60, so nimmt man bei einem
3..ten Versuch 3,46, 3,49, 3,51, 3,53, 3,55 und 3,57 ccm Fehlingsche Lösung; fallen
die Endpunkte jetzt zwischen 3,51 und 3,55, so nimmt man hiervon das Mittel (3,53) an.