252
Futtermittel.
VIII. Bestimmung des Sandes in den Futtermitteln.
Bezüglich des Sandgehaltes der Futtermittel hat der Verband landw. Versuchs-Stationen
i. D. B. folgendes vereinbart:
Die qualitative Prüfung aller Futtermittel auf Sand bezw. mineralische
Beimengungen ist obligatorisch zu machen, und es ist, sobald
die Vorprüfung die Anwesenheit von mehr als normalen Mengen ergibt,
die quantitative Bestimmung auszuführen.
Der Sand in den Futtermitteln kann, besonders wenn er grobkörnig ist, das
Gebiß beschädigen, unter Umständen in den Falten des Labmagens sich festsetzen
und schwere Verdauungsstörungen hervorrufen. 1 )
Zur schnellen Bestimmung des Sandes sind verschiedene Vorschläge 2 3 ) gemacht.
a) Chloroformprobe. 6 oder 10 g des Futtermittels werden in einem Reagenzglase
mit Chloroform geschüttelt, kurze Zeit stehen gelassen, die ausgeschiedenen mineralischen
Beimengungen gesammelt und gewogen.
b) Verfahren von A. Stutzer. 10 g des Futtermittels
werden in einem Becherglase mit Alkohol durchfeuchtet,
darauf mit 300—400 ccm 1 %-iger Salzsäure übergossen
und gekocht. Beim Umrtihren setzt sich Sand,
Erde usw. auf dem Boden des Becherglases ab; der Sand wird
von der überstehenden Masse durch Dekantation gereinigt,
auf einem Filter gesammelt, verascht und gewogen.
c) Verfahren von A, Emmerling. 8 ) Als schwere
Flüssigkeit dient eine vollkommen gesättigte Lösung von
Zinksulfat von etwa 1,43 spezifischem Gewicht — 1 kg
kristallisiertes Salz auf 725 g Wasser —. Die Vorprüfung
führt man im Reagenzröhrchen aus, das man zur Hälfte mit
der Zinksulfatlösung füllt, über welche man vorsichtig Wasser
schichtet. Man schüttet dann etwa einen Teelöffel des Futtermittels
auf das Wasser und rührt lebhaft mit einem Draht,
ohne die untere Lösung viel aufzurühren. Man erkennt alsdann,
ob stark liohtbrechende Sandkörner nach unten sinken,
und unterscheidet 3 Fälle: Sand = 0, Sand vorhanden, aber
augenscheinlich unbedeutend, Sand in solcher Menge vorhanden,
daß die gewichtsanalytische Bestimmuug erforderlich
wird. Bei einzelnen Futtermitteln, wie Erdnußmehlen, läßt sich ein sicheres Urteil nur
durch die Gewichtsanalyse erlangen, da die an den organischen Teilen haftenden staubartigen
Sandkörnohen beim Rühren nicht vollständig niederfallen.
Um den Sand nach demselben Grundsatz nicht allein auszurühren, sondern auch in
Substanz zu gewinnen, kann man sich eines E. Spaethschen Scheidetriohters in Form
eines Sektglases mit Hahn bedienen (vergl. Fig. 44). Nachdem sich der Sand in der
Höhlung des Hahnes angesammelt hat, schließt man den Hahn, reinigt das Glas und kann
dann die angesammelten Körnchen zum Zweck der Wägung und näheren Prüfung leicht
gewinnen. Dieses Verfahren kann in manchen Fällen als Ausweg dienen, wo das gewichtsanalytisohe
Verfahren infolge reichlichen Vorhandenseins stark verkieselter Spelzen
Schwierigkeiten bietet.
Da diese Verfahren aber, wie Ä. Emmerling für sein Verfahren selbst hervorhebt,
4 ) nur annähernd richtige Ergebnisse liefern, im letzten Falle auch die ständige
*) F. Barnstein teilt (Landw. Versuchs-Stationen 1902, 56, 417) sogar einen Fall
mit, wo der Magen eines Ochsen nach Verzehrung von einem Gerstenschrot, das 2,6 %
hellen Sand enthielt, so viel Sand aufgenommen hatte, daß das Eingehen des Ochsen nach
Ansicht des Tierarztes hierauf zurückgeführt werden mußte.
a ) Landw, Versuchs-Stationen 1893, 43, 357.
3 ) Nach einer PrivaLMitteihmg.
4 ) Landw. Versuchs-Stationen 1896, 47, 221.