Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

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Futtermittel.

Zu  demselben  ungünstigen  Urteil  über  die  vorgenannten  Apparate  und  Verfahren ­
  gelangen  K.  Korners  und  v.  Haunalter, 1 )  ebenso  A.  Maurizio. 2 )  Erstere
beiden  Untersuchen  halten  indes  im  Gegensatz  zu  M.  Fischer, 3 )  der  nur  den
zunftgerechten  Mahl-  und  Backversuch  gelten  lassen  will  und  einen  tunlichst  hohen
Feinheitsgrad  des  Mehles  als  maßgebend  bezeichnet,  den  Laboratoriumsbackversuch  für
völlig  ausreichend,  wenn  die  üblichen  Fehlerquellen  hierbei  beseitigt  werden.  Letztere
bestehen:  1.  In  der  Verwendung  eines  ungleichmäßig  beschaffenen  Gärmittels  (Preßhefe
oder  Backpulver);  sie  empfehlen  die  Anwendung  der  Büchner  sehen  Zymase,  der  sog.
„sterilen  Dauerhefe“  oder  des  „Zymins“,  welches  von  der  Firma  Schröder  in  München
oder  durch  E.  Merck  in  Darmstadt  bezogen  werden  kann  und  in  einer  Menge  von  2  g
auf  25  g  Mehl  bei  27—30°  angewendet  werden  soll.  2.  In  der  Verwendung  einer  gleichen
Menge  Wassers  für  jedes  Mehl;  es  muß  die  erforderliche  Menge  Wasser  dem  jedesmaligen
Mehle  angepaßt  und  davon  nur  so  viel  genommen  werden,  daß  ein  Teig  von  möglichst ­
  gleicher  Festigkeit  erhalten  wird;  je  besser  ein  Mehl  ist,  um  so  größer  ist
durchweg  zur  Erzielung  einer  gleichen  Festigkeit  des  Teiges  seine  Wasseraufnahmefähigkeit. ­
  3.  In  der  Feststellung  des  Volumens  der  Gebäcke;  die  Verfasser  empfehlen
zu  dem  Zweck  statt  der  bis  jetzt  üblichen  Verwendung  von  Blei-,  Glas-  oder  Sandschrot ­
  ein  Überziehen  des  Gebäckes  mit  Paraffin,  Feststellung  des  Überzuges  von
Paraffin  durch  Wägen  des  Gebäckes  vor  und  nach  dem  Überziehen,  sowie  Ermittelung
des  spezifischen  Gewichtes  in  einem  besonderen  Pyknometer  durch  Wasserverdrängung,
wobei  das  spezifische  Gewicht  des  Paraffins  berücksichtigt  werden  muß.
A.  Maurizio  empfiehlt  dagegen  zur  Bestimmung  des  Volumens  der  Gebäcke
Bleischrot  in  starken  Eisen-  oder  Glasgefäßen  und  hält  das  spezifische  Gewicht  des
Brotes  für  einen  besonders  wichtigen  Maßstab  zur  Beurteilung  der  Backfähigkeit
eines  Mehles;  er  fand:
Beste  Mehle  Mittelgute  Mehle  Geringe  Mehle
Volumen  des  Brotes  aus  je  100  g  Mehl  560—580  ccm  400—480  ccm  250—350  ccm.
Spezifisches  Gewicht  des  Brotes  .  .  .  0,23—0,28  0,35  0,46  und  mehr.
Im  Gegensatz  zu  diesen  Verfahren  zur  Bestimmung  der  Backfähigkeit  der
Mehle  hat  E.  Fleurent 4 )  ein  ganz  anderes,  rein  chemisches  Verfahren  vorgeschlagen.
Nach  E.  Fleurent 4 )  hängt  die  Baokfähigkeit  eines  Weizenmehles  nicht  von  dem
Gehalt  an  Gesamtkleber,  sondern  von  dem  Verhältnis  der  darin  enthaltenen  Proteinstoffe, ­
  namentlich  von  dem  Verhältnis  des  in  Alkohol  unlöslichen  Glutenkaseins
(von  Fleurent  Glutenin  genannt)  zu  dem  in  Alkohol  löslichen  Gliadin  (und  sonstigen
alkohollöslichen  Stickstoff-Verbindungen)  ah;  dieses  Verhältnis  von  Glutenin  (Glutenkasein): ­
  Gliadin  soll  wie  25:75  sein;  eine  Veränderung  dieses  Verhältnisses  irgend
welcher  Art  bedingt  eine  geringere  Backfähigkeit  des  Mehles.  Zur  Ermittelung
dieses  Verhältnisses  benutzt  E.  Fleurent  ein  ziemlich  umständliches  Verfahren.
Man  bereitet  zuerst  eine  alkoholische  Kalilösung  aus  70%-igem  Alkohol
und  3,0—3,5  g  Kali  in  1  1,  stellt  sie  genau  gegen  Normalsäure  ein  und  berechnet ­
  den  Wirkungswert  auf  kohlensaures  Kalium  (K. 2 CO g ).  Darauf  bereitet  man
aus  33,33  g  Mehl  in  gebräuchlicher  Weise  den  Kleber,  zerschneidet  ihn  in  Stücke,
verreibt  diese  in  einem  Mörser  mit  der  alkoholischen  Kalilösung,  spült  unter  Anwendung ­
  von  im  ganzen  80  ccm  der  Kalilösung  in  eine  geeichte  Flasche  (von
150  bezw.  250  ccm),  setzt  Glasperlen  zu  und  läßt  unter  öfterem  ümschütteln  36  bis
J )  Zeitachr.  d.  landw.  Versuchs  Wesens  in  Österreich  1902,  5,  1225.
2 )  Landw.  Jahrbücher  1902,  31,  179.
3 )  Pühlings  Landw.  Zeitung  1902.
4 )  Ann.  Science  Agronom.  1898  [2],  4,  I,  371;  vergl.  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d er
Nahrungs-  und  Genußmittel  1899,  2,  583.
            
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