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Futtermittel.
1. 30—50 g Substanz einer guten Mittelprobe werden von den mehlartigen
Futtermitteln direkt, von denen in Kuchenform usw. nach dem Zermahlen auf der
Schrotmühle je nach dem Zerkleinerungszustand durch ein feineres oder gröberes
Sieb von 0.2—0,3 mm Maschenweite oder durch mehrere Siebsätze gesiebt;
von dem Abgesiebten dient das feinste Mehl (bei fettreichen Stoffen nach Entfetten
durch Äther bezw. Äther-Alkohol) zur Untersuchung auf Stärke, indem man das
entfettete Mehl mit so viel Wasser anrührt, daß eine milchig-trübe Flüssigkeit
entsteht. Hiervon werden 3-raal je ein Tropfen auf den Objektträger gebracht und
sowohl ohne als mit Zusatz von Jodlösung bei etwa 300-facher Vergrößerung auf
Stärkeform untersucht.
Als Jodlösung wendet man entweder eine
verdünnte Lösung von Jod in Jodkalium (letzteres
wird in der 20-fachen Menge Wasser gelöst,
Jqd im Überschuß zugefügt und die Lösung ver
dünnt) oder eine verdünnte Lösung von Jod in
Alkohol an.
Breiartige Futtermittel wie Schlempe usw.
gießt man durch ein lockeres Leinen- oder Gaze
tuch und verwendet die kollerte Flüssigkeit zur
Stärke-Untersuchung, den Rückstand zur Be
stimmung der gröberen Zellsubstanz.
2. Der auf dem Sieb verbleibende schalen
haltige Rückstand wird in 2 Teile geteilt; den
einen Teil behandelt man — fettreiche Stoffe nach
Entfetten mit Äther bezw. Äther-Alkohol — mit
verdünnter Salpetersäure (solche von 1,2 spezifischem
Gewicht mit etwa dem 5—10-fachen Volumen
Wasser verdünnt), nötigenfalls unter Zusatz von
einigen Körnchen chlorsaurem Kalium, längere Zeit
im Wasserbade, bis die Masse ein helles Aus
sehen angenommen hat, den anderen Teil in
derselben Weise mit verdünnter Kalilauge (etwa
0,5—1,0 °/ 0 -iger), gießt die behandelten Massen
unter starkem Verdünnen mit Wasser in einen Zylinder oder in ein hohes Becher
glas, läßt absitzen, gießt vorsichtig ab, fügt abermals Wasser hinzu, dekantiert
wie vorhin und verwendet beide Bodensätze zur mikroskopischen Untersuchung bei
verschiedener (150—300-facher) Vergrößerung.
Häufig empfiehlt es sich, die mit verdünnter Salpetersäure auf
geschlossene Masse noch weiter direkt mit verdünnter Kalilauge zu behandeln
und die Rückstände auf einem feinen Koliertuch zu sammeln und schwach auszuwaschen-
Flg, 45. CWorentwickelungsapparatzur
Aufhellung der Futtermittel.
3. Th, Dietrich und A. Hebebrand 1 ) wenden zum Aufschließen bezw. Auf
hellen der Stoffe 7 °/ 0 -ige Sodalösung an und leiten 10—15 Minuten mit der Vorsicht
Chlor ein, daß die Flüssigkeit stets alkalisch hleibt.
Als Chlorentwickelungsapparat 2 3 ) bedient sich A. Emmerling-Kiel 8 ) eines
Brlenmeyerschen Kölbchens, auf welches eine Röhre aufgeschliffen ist, die
') Landw. Versuchs-Stationen 1899, 51, 75.
2 ) Zu beziehen durch die Fabrik von Dr. R. Hase in Hannover oder durch den
Glasbläser Heinrich Müller in Kiel.
3 ) Privat-Mitteilung.