Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

XV

Endlich  findet  sich  Material  in  der  bereits  oben  angeführten  großen,
hier  irgendwie  einschlägigen  Litteratur  aller  Zeilen,  sei  es,  daß  sie  verarbeitet ­
  ist,  sei  es,  daß  sie  der  Urform  vorliegt.
Gehen  wir  nun  von  der  Litteratur  wirtschaftlicher  Natur  über  zu
der  Litteratur  mehr  technischen  Inhalts,  sogelangen  wir  auf
das  Gebiet  der  Chemie  und  chemischen  Technologie  einerseits,  der
Maschinentechnik  andererseits.  Es  ist  selbstverständlich,  daß  in  den  modernen ­
  speziellen,  großen,  hier  in  Betracht  kommenden  Handbüchern
der  chemischen  Technologie  alle  Zweige  der  Gerberei,  und  somit  auch
die  moderne  Weißgerberei,  eine  entsprechende  Behandlung  erfahren.  Nur
sind  alle  diese  Darstellungen,  ganz  im  Sinne  der  modernen  Naturwissenschaft ­
  und  mit  Rücksicht  auf  ihren  modernen  wissenschaftlichen  und
technischen  Zweck,  vollkommen  unhistorisch.  Dagegen  enthalten  allgemeinere
Lehr-  und  Handbücher  der  Chemie  und  auch  der  modernen  Technik,  so
merkwürdig  das  klingen  mag,  über  Gerberei  überhaupt  nichts  oder  fast
nichts.  Auf  die  eigentümliche  Stellung  der  Gerberei,  welche  durch  diese
Tatsache  hier  genugsam  charakterisiert  sein  mag,  werden  wir  an  anderer
Stelle  zurückkommen.  Aber  nicht  nur  das.  Selbst  die  mehrbändige
Geschichte  der  Chemie  von  Kopp  *)  verzichtet  vollkommen  auf  eine  Darstellung ­
  der  Entwicklung  der  Gerbetheorieen,  und  auch  die  moderne
Geschichte  der  Chemie  von  Ernst  v.  Meyer  1905  und  andere  lassen
sich  an  keiner  Stelle  auf  die  Fortschritte  der  Gerberei  ein.  Daraus
ergibt  sich,  daß  man  zum  Studium  der  technischen  Verhältnisse,  seien
es  theoretische  Anschauungen,  seien  es  Gerbemethoden,  einzelne  Verfahren,
Verbesserungen,  seien  es  Maschinen  usw.,  dann  vor  allen  Dingen  auch
zur  Erkennung  des  Fortschritts  und  der  Entwicklung  immer  wieder  der
großen  Aufgabe  gegenübergestellt  wird,  die  irgendwie  hier  einschlägige
Litteratur  durchzustudieren.  Für  das  Studium  der  Verhältnisse  in
den  letzten  40—50  Jahren  eröffnet  sich  eine  weitere  große  Litteratur
auch  für  diese  Gebiete  in  den  Zeitschriften.
So  umfangreich  nun  auch  diese  große,  soeben  besprochene  Litteratur
sich  erweist,  so  ist  sie  dennoch  nicht  imstande,  ein  erschöpfendes,  lebensvolles ­
  Bild  der  hier  untersuchten  Vorgänge  und  Zustände  zu  geben,
und  deshalb  bildet  die  wirkliche  Grundlage  für  alle  derartigen  Untersuchungen ­
  eine  möglichst  ausgedehnte  und  fleißige  eigene  Beobachtung.
Aus  diesem  Grunde  habe  ich  durch  Korrespondenz  mit  den  Organisationen ­
  der  Arbeitgeber  und  Arbeitnehmer,  mit  einzelnen  Fabriken  und
Unternehmern  und  durch  Rücksprache  an  Ort  und  Stelle  in  Großbetrieben ­
  und  kleinen  Werkstätten  die  gewonnenen  Ergebnisse  zu  prüfen
und  neue  zu  gewinnen  mich  bemüht;  soweit  mir  dies  möglich  war,  habe
ich  endlich  durch  Augenschein  in  Städten  und  Dörfern,  in  Großi)

  Kopp  1843.
            
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