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Futtermittel.
Mitunter wird dem Preßgut (vorwiegend Leinsaat) auch eine Kochsalz-
Lösung zugesetzt, wodurch die Ölausbeute erleichtert und erhöht werden soll. Die
Preßrückstände nehmen infolge solchen Zusatzes einen höheren Äschen- bezw.
Kochsalz-Gehalt an.
Bei dem chemischen ölgewinnungs verfahren wird das öl dem zer
kleinerten Ölsamen durch Lösungsmittel wie Schwefelkohlenstoff oder Petroläther
(Kanadol, auch Naphtha genannt) entzogen; auf diese Weise wird mehr und reineres
öl gewonnen, die Rückstände sind aber fettarmer als die Preßkuchen; sie enthalten
nur 2—4 % Fett, während die Preßrückstände im allgemeine]) 7—10% Fett enthalten.
Leinsamen, Linum usitatissimum L.
Der Leinsamen kommt als sog. Schlaglein und als Saatlein in den Handel;
der Schlaglein wird gewonnen hei der Verwendung der Leinpflanze als Gespinst
faser, ist also unreife Saat, die aber beim Lagern so weit nachreift, daß sie sehr
wenig und nicht wesentlich mehr Stärke enthält, als der Saatlein bezw. reife Leinsamen.
Der Leinsamen wird im zerkleinerten, unentfetteten Zustande als Futtermittel
verwendet und heißt dann Leinsamenmehl (auch wohl Leinmehl), dann durch
Pressen entfettet als Leinkuchen oder, wenn diese zerkleinert sind, als Lein
kuchenmehl oder auf chemischem Wege entfettet (mit durchweg 2—4°/ 0 Fett) als
Leinmehl bezw. Leinschrot.
In Leinkuchenmehlen, die unter Zusatz einer gehaltreichen Kochsalz
lösung durch Pressen und Zerkleinern gewonnen waren, fanden wir hei 25,57 bis
31,60% Protein und 6,66—9,08 % Fett 9,06—11,60% Asche mit 2,09—6,32%
Kochsalz. Dieser Kochsalzgehalt ist für die Fütterung an Großvieh nicht schädlich
— Kälber verweigern unter Umständen die Aufnahme eines solcherweise her
gestellten Leinmehles ■—, bedeutet aber bei dem geringeren Preise des Kochsalzes
gegenüber den Leinpreßrückständen für den Fabrikanten einen gewissen Gewinn;
denn das Leinsamenmehl und die entfetteten Rückstände sind nicht nur wegen
ihres Nährstoffgehaltes, sondern vorwiegend wegen ihrer diätetischen Wirkung,
welche durch den Schleimgehalt bedingt ist, geschätzt und werden verhältnismäßig
viel teurer bezahlt als andere Ölsamen und deren Abfälle. Sie sind daher auch
nicht selten den verschiedensten Verfälschungen ausgesetzt. Als Verfälsehungs-
mittel dienen z. B. Kleie, verdorbenes Getreide- oder Futtermehl, Reismehl, Abfälle
der Maisstärkebereitung, Kaffeeschalen, Kakaoschalen, sonstige Ölkuchen wie Erdnuß-,
Bucheckern-, Rizinuskuchen usw.
Weitere Verfälschungen bestehen in der Beimengung von Mineralstoffen
und Wasser als solchem bis zu 23 %. Der mitunter beim Anrtihren von Lein
kuchen bezw. Mehl auftretende Blausäuregeruch kann auf einen größeren oder
geringeren Gehalt des Leinsamens selbst an Amygdalin zurückgeführt werden.
Bei Entscheidung der Frage, ob ein Leinkuchen bezw. Mehl rein oder ver
fälscht ist, muß berücksichtigt werden, daß der Leinsamen fast stets mehr oder
weniger natürliche Verunreinigungen enthält, welche durchweg 3-8%, mitunter
aber über 50 % betragen. So fand Aug. Völcker an fremden Sämereien und anderen
Unreinheiten in Leinsamen von Bombay 4,5 % (gewöhnliche Ware), 1,75 % (feinste
Ware), in Lein vom schwarzen Meer (3 Proben) 12, 19 und 20%, von Odessa
12,5 %, von Morskanski 7 %, von Petersburg beste Ware 3 %, gewöhnliche 41 %,
geringere 43,5%, schlechteste Ware 70 %, in Lein von Riga gewöhnliche Ware
35%, gebrochene Probe 42—49,5 % Verunreinigungen. Nach E. Haselhoff 1 )
ö Landw. Versuchs-Stationen 1892, 41, 60.