fullscreen: Die deutsche Wirtschaft

352 Regierungsrat Dr. Werner Teubert: 
der Gesamtfracht bei Benutzung des Wasserwegs erheblich verringert. 
Der Wettbewerb der Wasserstraßen wird sodann dadurch erschwert, 
daß für die Massengüter, die in erster Linie für die Schiffahrt in Be- 
tracht kommen, auf den Eisenbahnen meist die niedrigsten Tarifsätze 
gelten, die oft auch gerade aus Wettbewerbsgründen eingeführt wurden. 
Es ist daher eine der Hauptaufgaben der gesamten Verkehrspolitik, 
durch Tariftmaßnahmen dahin zu wirken, daß Eisenbahn und Wasser- 
straße jeweils der Güterverkehr zufällt, der von jedem Verkehrsmittel 
am billigsten befördert werden kann, und daß diese sich gegenseitig so 
ergänzen, daß die Güterbeförderung des Landes insgesamt sich am 
billigsten vollzieht. Dies konnte vor dem Kriege in Deutschland nicht 
erreicht werden, da der privaten Schiffahrt der Staatsbetrieb der 
Eisenbahn gegenüberstand, der bestrebt war, möglichst viel Verkehr 
an sich zu ziehen, und der namentlich bei dem ausgedehnten 
Eisenbahnetz auch in der Lage war, im Wettbewerb gegen andere 
Verkehrsmittel durch die niedrigsten Ausnahmetarife ihren Verkehr zu 
erhöhen und durch hohe Tarife für andere Strecken oder Güterarten, 
wo kein Wettbewerb bestand, zu verhüten, daß die Gesamteinnahme 
zurückging. 
So war die deutsche Eisenbahntarifpolitik der Entwicklung der 
Binnenschiffahrt hinderlich; denn während z. B. billige Seehäfenaus- 
nahmetarife den Wasserstraßen gerade den für sie nach Verkehrs- 
richtung und Güterarten günstigsten Verkehr entzogen, wurde anderer- 
seits der Wunsch der Schiffahrt, durch entsprechende Eisenbahntarife 
zu den Binnenhäfen das Zusammenarbeiten dieser beiden Verkehrs- 
mittel zu fördern, nur in wenigen Fällen erfüllt. Einen wesentlichen 
Fortschritt zugunsten der Wasserstraßen erhoffte man durch Schaffung 
des Reichsverkehrsministeriums, in dem nun von einer Stelle aus der 
gesamte Verkehr geleitet werden sollte. Diese Hoffnung erfüllte sich 
jedoch nicht, denn die Nachkriegszeit brachte mit dem fortschreitenden 
Währungsverfall, dem sich die Eisenbahntarife nur langsam anpaßten, 
für die Wasserstraßen einen weit stärkeren Verkehrsrückgang als für 
die Eisenbahn; dieser wurde dadurch noch verschärft, daß die Reichs- 
bahn bei der neuen Tarifbildung zu Staffeltarifen überging, die für 
Massengüter und große Entfernungen, also gerade für den Verkehr, der 
sonst der Schiffahrt zufiel, so niedrige Frachtsätze vorsahen, daß viel- 
fach der Wasserweg nicht mehr in Betracht kam. Wenn auch bei den 
oben aufgeführten Strecken das Verhältnis zwischen Eisenbahn- und 
Wasserfracht im Jahre 1924 wieder dem vor dem Kriege nahekam, so 
galt dies doch nur für wenige Fälle; überall dort, wo eine Eisenbahn- 
anschlußfracht hinzutritt, ergeben sich für den Wasserweg ungünstigere 
Verhältnisse als vor dem Kriege, Eine gewisse Förderung der Schiffahrt
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.