Full text: Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

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Milch und Molkerei-Erzeugnisse. 
in einem besonderen kalibrierten Prüfer mit 10 com einer ammoniakalischen, alkoholischen, 
Amylalkohol enthaltenden Kalilauge, erwärmt zeitweise im Wasserbade und liest die Höhe 
der Fettschicht in der kalibrierten Röhre ab. 
L. Findet') erwärmt die Milch mit konzentrierter Eesorzinlösung, worin sich die 
Eiweißstoffe lösen, und bedient sich zur Abmessung der Fettschicht kalibrierter Röhrchen, 
welche den Gerberschen Acidbutyrometern ähnlich sind. 
y) Das Cremometer von Chevallier. Dasselbe gibt zwar nur einen sehr rohen 
Ausdruck für den Rahm- und den diesem entsprechenden Fettgehalt. Da es aber noch 
vielfach bei der Marktkontrolle angewendet zu werden pflegt und dem Nichtchemiker auf 
einfache Weise wenigstens darüber Aufschluß geben kann, ob eine Milch in grober Weise 
gewässert oder entrahmt ist, so möge dasselbe hier auch beschrieben werden. Es ist ein 
Zylinder (Fig. 267, S. 467) von etwa 25 cm Höhe und 4 cm Durchmesser, welcher, in 
10 Teile geteilt, bis zum Nullpunkte 100 ccm Milch faßt. Der Raum von 0—50 enthält 
weitere Teilstriche, von denen jeder 1 ccm bedeutet. Man füllt diesen Zylinder bis zum 
Nullpunkt mit der gut gemischten Milch und läßt dieselbe bei Kellertemperatur 24 Stunden 
stehen, worauf man nachsieht, wie viel Raumteile Rahm sich oben gebildet haben. 
Gute Vollmilch soll eine Rahmschicht von 10—14% bilden; halb abgerahmte Milch soll 
6—8 °/ 0 haben. 
Von Wichtigkeit ist es ferner* die im Cremometer zurückbleibende abgerahmte Milch 
auf ihr spezifisches Gewicht zu untersuchen, um durch Vergleichung desselben mit dem der 
ursprünglichen Milch unter Berücksichtigung der gewonnenen Rahmschicht einen gewissen 
Anhaltspunkt dafür zu erhalten, ob die Milch ursprünglich rein oder mit Wasser oder ab 
gerahmter Milch versetzt war. Die reiner Vollmilch entsprechende abgerahmte Milch muß 
ein um 0,002—0,0035 höheres spezifisches Gewicht oder 2—3'7a Laktodensimetergrade mehr 
zeigen, als die ursprüngliche Milch. Hat die abgerahmte Milch nicht um so viel höhere 
Grade und liegt der Rahmgehalt der ursprünglichen Milch zwischen 8—10 °/ 0 , so kann der 
Milch vorher bereits halb abgerahmte Milch zugesetzt sein. Zeigt die abgerahmte Milch aber 
ein nur um 0,0015—0,002 höheres spezifisches Gewicht oder 1,5—2,0° mehr als die 
ursprüngliche Milch, und liegt der Rahmgehalt unter 6 oder zwischen ß-8 u /o, so ist ein 
Zusatz von ganz abgerahmter Milch anzunehmen. Ist das spezifische Gewicht der ab 
gerahmten Milch fast gleich (1° Differenz) der ursprünglichen Milch und bildet sich nur 
eine geringe Rahmschicht, so ist letztere nicht nur teilweise abgerahmt gewesen, sondern 
hat auch einen Zusatz von Wasser erfahren. 
Eine ähnliche Messung der Höhe der Rahmschicht wie beim Cremometer erfolgt 
auch bei dem Bergschen Laktoskop, 2 ) bei dem aber die Abscheidung des Rahms mittels 
Zentrifugalkraft erfolgt. 
4) Optische Milchprtifungsapparate. Es sind in früherer Zeit eine Reihe von 
Vorschlägen gemacht worden, um auf optischem Wege, d. h. durch Untersuchung der 
Lichtdurchlässigkeit usw. der Milch, einen Anhalt über die Beschaffenheit der Milch zu 
erhalten. Man kann nach diesen Verfahren nur sehr grobe Verfälschungen der Milch er 
kennen; sobald es sich aber nur um einigermaßen genaue Untersuchungen handelt, lassen 
sie vollständig im Stiche. Diese Verfahren können daher nur für Kleinkonsumenten, für 
Bäckereien oder auch für Haushaltungen, wo mau sich in schnellster und einfachster Weise 
über eine annähernde Beschaffenheit der Milch Rechenschaft geben will, in Betracht 
kommen. Die verschiedenen vorgesohlagenen Verfahren gründen sich darauf, daß die Milch 
um so undurchsichtiger ist, je mehr Fettkügelchen sie enthält, dagegen um so durch 
sichtiger, je mehr diese durch Abrahmen entfernt, bezw. je mehr sie durch Zusatz von 
Wasser verteilt sind. Auf diesem Grundsatz beruht z. B. das Fesersche Laktoskop. 
Dasselbe besteht aus einem zylindrischen Gefäß, in dessen verjüngten Boden ein 
x ) Journ. Pharm. Chim. 1900, [6], 11, 368; Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- 
u. Genußmittel 1900, 3, 644. 
2 ) Vergl. Milch-Ztg. 1899, 28, 183 u. 1902, 31, 825.
	        
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