Religisse Bewegung; LCuther.
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den Papst; Imperium und Sacerdotium schienen ihm auf—
einander angewiesen, wie nur irgend einem Kaiser des Mittel—
alters: sie standen ihm noch auf der unerschütterten, un—
erschütterlichen mittelalterlichen Grundlage.
Das alles war nicht geeignet, den Kaiser zur Hoffnung
jenes Teils der Nation zu machen, der Luther zujubelte. Aber
auch den Fürsten und andern Ständen, die für die deutsche
Libertät schwärmten, gaben, wenn nicht Persönlichkeit und
Hof, so doch die ersten Maßregeln des Kaisers im Reiche bald
zu denken.
Zwar daß der Kaiser sich denjenigen norddeutschen Fürsten
wenig gnädig erwies, die als Freunde Frankreichs bekannt
waren, erschien begreiflich. Was aber sollte man zu Karls
Politik in Württemberg sagen?
Hier war, wie wir wissen!, Herzog Ulrich vor der Königs—
wahl des Jahres 1519 seines Landes verjagt worden. Aber
schon im August 1519 hatte er versucht, sich wieder festzu—
setzen. Dagegen war denn der schwäbische Bund als Friedens—
bewahrer Oberdeutschlands von neuem aufgetreten, mit ihm
auch Karl, der als österreichischer Erzherzog dem Bunde an—
gehörte. Ulrich ward vertrieben und flüchtete in die ihm
freundlich gesinnte Schweiz. Das Schicksal seines Landes war
nun zweifelhaft; sollte aber Ulrich abgesetzt werden, so mußte
ihm nach Reichsrecht sein Sohn Christoph folgen. Da that
Karl einen unglaublichen Schritt: er „kaufte“ am 6. Februar
1520 dem schwäbischen Bunde das Herzogtum gegen Ersatz der
Kriegskosten ab und fügte es dem Besitz seiner deutschen Länder
ein, deren Regierung er damals dem Erzbischof Matthäus
Lang von Salzburg, bald darauf dem Erzherzog Ferdinand,
seinem Bruder, unterstellte. Es war ein offener Rechts—
bruch. Freilich: die alterstrebte festere Stützung der vorder—
österreichischen Besitzungen durch ein größeres Territorium und
ihr Zusammenhang mit der Centralmacht des Hauses Habsburg
an der Donau, wie man ihn im 14. und 15. Jahrhundert
S. oben S. 257.