Full text: Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

478 
Milch und Molkerei-Erzeugnisse. 
mehreren Stunden. Erst nach stundenlangem Stehen auftretende Verfärbungen 
sind unberücksichtigt zu lassen, da sie auch hei gekochter Milch eintreten können. 
Bei Gegenwart von größeren Mengen Formaldehyd ist die Reaktion nachE. Eichholz 1 ) 
nicht anwendbar. Enthält eine Milch reduzierende Stoffe (Ehodansalze, Ferrosalze), 
welche den Sauerstoff des Wasserstoffsuperoxyd zur Oxydation verwenden, so tritt 
nach F. Wirthle' 2 ) die Reaktion nicht ein, wohl aber, wenn man mehr Wasserstoff 
superoxyd hinzusetzt. 
W. Rullmann 3 ) empfiehlt, die Reaktion als Schicht-Reaktion auszuführen 
und hält diese für die schärfste und einfachste. Milch, welche 1 Stunde auf 68—69 0 
erhitzt ist, gibt noch eine Reaktion, solche, welche 1 /. 2 Stunde auf 72° erhitzt ist, 
aber innerhalb 10 Minuten nicht mehr. 
ß) Die Reaktion mit Jodkalium-Stärkekleister. Du Eoi und Köhler 4 ) 
haben diese bereits von V. Storch geprüfte, aber weniger geeignet befundene 
Reaktion in folgender Ausführung empfohlen: Man schüttelt eine größere Menge 
Milch (etwa 100 ccm) mit 1 °/ 0 5 ) (ursprünglich waren 2 °/ 0 empfohlen) einer 1 °/ 0 -igen 
Wasserstoffsuperoxydlösung. Von der so behandelten Milch gibt man 3 ccm zu 
3 ccm Jodkaliumstärkelösung — hergestellt durch Auflösen von 2—3 g Jodkaliura in 
wenig Wasser und Zugeben dieser Lösung zu 100 ccm einer 2—3 °/ 0 -igen wässerigen 
Stärkelösung — in ein Reagensglas und schüttelt kräftig um. Bei Gegenwart von 
nur 10°/ 0 roher Milch tritt sofort eine starke Blaufärbung ein; nach du Eoi und 
Köhler lassen sich durch das Reagens noch 2°/ 0 rohe Milch in gekochter Milch 
nachweisen, die Reaktion tritt dann aber erst langsamer ein. Erhitzte Milch bleibt 
rein weiß. Wie Vollmilch verhalten sich auch Rahm, Magermilch und Molken. 
Bei saurer Milch muß die Hauptmenge der Säure vorher neutralisiert werden. Ein 
Gehalt der Milchproben an Kaliumbichromat oder Formaldehyd beeinträchtigt die 
Brauchbarkeit der Reaktion nicht. 
Nach M. Siegfeld, der das Verfahren für recht brauchbar hält, ist die 
offizinelle Jodzinkstärkelösung der Jodkaliumstärkelösung vorzuziehen, da erstere 
haltbarer ist und auch reinere Farbentöne gibt. 
12. Nachweis von Frischhaltungsmitteln. 6 ) 
а) Natriumkarbonat. Zum sichereren Nachweis von Natriumkarbonat, von 
welchem bis zu 1 g wasserfreies Salz auf 1 Liter zugesetzt wird, um die Säuerung 
der Milch zu verdecken, werden nach A. Hilger 50 ccm Milch mit der 5-fachen 
Wassermenge verdünnt, erhitzt, mit wenig Alkohol zum Gerinnen gebracht und 
filtriert. Das auf die Hälfte eingeengte Filtrat läßt an der alkalischen Reaktion die 
Gegenwart von Alkalikarbonat deutlich erkennen. 
Nach Soxhlet und Scheibe bestimmt man in der Milchasche quantitativ die 
Kohlensäure, wobei zu berücksichtigen ist. daß die Asche der natürlichen Milch nicht 
mehr als 2 °/ 0 Kohlensäure enthält. 
4 ) Molkerei-Ztg. Berlin 1900, 10, 271. 
2 ) Chem.-Ztg. 1903, 27, 432, 
3 ) Zeitachr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1904, 7, 81. 
4 ) Milch-Ztg. 1902, 31, 17 und 113. 
б ) Vergl. M. Siegfeld, Zeitsohr. f. angew. Chem. 1903, 16, 764. 
9 ) Da die Prüfung vieler Milchproben auf die verschiedenen Frischhaltungsmittel 
sehr zeitraubend ist, hat M. Wynter Blyth (Analyst 1901, 26, 148; Zeitschr. f. Unter 
suchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1902, 5, 172) ein Verfahren ausgearbeitet, nach 
welchem zunächst untersucht wird, ob überhaupt Frischhaltungsmittel vorhanden sind. Auf 
dieses Verfahren, bei welchem die Milohproben auf gleichen Alkalitätsgrad und gleichen 
Bakteriengehalt gebracht werden, wie eine Kontrollmilch, kann hier nur verwiesen werden.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.