Full text: Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

Vollmilch. Nachweis von Frisohhaltungsmitteln. 
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Natronlauge genau neutralisiert. Die Lösung wird mit kohlensäurefreiem Wasser 
auf 200 ccm aufgefüllt und nach dem Mischen filtriert. Zu 50 ccm des Filtrates 
setzt man nun 25 ccm neutrales Glyzerin oder nach K. Windiseh 1 ) besser 1—2 g 
reinen gepulverten Mannit und titriert, ohne auf einen etwa entstehenden Nieder 
schlag (von Phosphaten) Rücksicht zu nehmen, mit 1 / 10 N-Natronlauge bis zur 
schwachen Rotfärbung. Zur scharfen Erkennung des Farbenumschlages leistet nach 
A. Beythien und H. Hempel ein Zusatz von neutralem Äthylalkohol gute Dienste. 
Zur Feststellung des Wirkungswertes der 1 / 10 N-Natronlauge gegen Borsäure 
stellt man eine Lösung von 2 g chemisch reiner kristallisierter Borsäure in 1 1 
kohlensäurefreiem Wasser her und versetzt 50 ccm dieser Lösung (=0,1 g Borsäure 
H 3 B0 8 ) unter Zugabe von Phenolphthalein als Indikator vorsichtig mit der 1 I io 
N-Natronlauge bis zur schwachen Rotfärbung; darauf gibt man 25 ccm neutrales 
Glyzerin oder 1—2 g Mannit hinzu und titriert nun wiederum mit 1 / 10 N-Natronlauge 
bis zur schwachen Eotfärbung. Angenommen, 
es seien bei dieser Titration 15,80 ccm 
1 / 10 N-Natronlauge verbraucht, so entspricht 
1 ccm 0,00633 g HgBOg oder 0,00343 g B 2 0 8 . 
Honig und Spitz 3 ) haben das Ver 
fahren von Jörgensen etwas abgeändert. 
Dieses abgeänderten Verfahrens hat sich 
auch E. Polenske 3 ) bei der Bestimmung 
der Borsäure in Trockenpökelfleisch bedient; 
es dürfte auch bei Milch brauchbar sein. 
Zum Nachweise und zur quantitativen 
Bestimmung sehr kleiner Borsäure 
mengen empfiehlt sich das kolorimetrische 
Verfahren von A. Hebebrand. 4 ) 50 ccm 
mit Natriumkarbonat schwach alkalisch ge 
machte Milch werden in einer Platinschale 
vollständig verascht. Die Asche wird mit 
5 ccm schwach (mit 0,5 ccm Salzsäure) -un 
gesäuertem Wasser behandelt, die Lösung in ein Reagenzglas oder besser in 
das für diese Zwecke hergestellte Röhrchen 5 ) (Fig. 258) gegeben und die Platin- 
schale mit 15 ccm Alkohol nachgespült. Hierauf gibt man zu der Lösung 15 ccm 
Salzsäure (spez. Gewicht 1,19), kühlt gehörig ab und gibt darauf genau 0,2 ccm einer 
°,1 %-igen wässerigen Eurkuminlösung 6 ) hinzu. Nach dem Umschütteln und etwa 
halbstündigem Stehenlassen im Dunkeln vergleicht man die eingetretene Färbung 
mit einer Farbenskala, welche man sich unter Anwendung bestimmter Mengen (etwa 
—1,2 ccm) einer 1 %-igen Borsäurelösung unter genauer Einhaltung der vor 
stehenden Arbeitsweise hergestellt hat. Ist keine Borsäure vorhanden, so färbt sich 
die Flüssigkeit grünlich-gelb; bei Gegenwart von Borsäure dagegen erscheint sie 
schwach bräunlich (0,1 mg) bis schön rosenrot (10 mg); am deutlichsten sind die 
J ) Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1905, 9, 641. 
2 ) Zeitschr. f. angew. Chem. 1896, 549. 
■') Arb. a. d. Kaiser!. Gesundheitsamte 1900, 17, 561. 
4 ) Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1902, 5, 55, 721 u. 1044. 
'0 Die Röhrchen werden hergestellt von der Firma Dr. Siebert & Kühn in Kassel. 
Die Kurkuminlösungen geben reinere Farbentöne als die gewöhnlichen Kurkuma 
tinkturen. 
Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage. 
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