Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

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Milch  und  Molkerei-Erzeugnisse.

Durch.  Anwendung  von  mehr  Milch  und  durch  stärkere  Konzentration  des
Destillats  lassen  sich  die  geringsten  Mengen  Salpetersäure  nachweisen;  indes  hat
ein  derartiger  Nachweis,  wie  schon  oben  hervorgehoben  wurde,  keine  praktische
Bedeutung.  Eine  weitere  Verschärfung  der  Diphenylamin-Eeaktion  auf  Grund  der
Ciminoschen  Probe  hat  E.  Hefelmann 1 )  beschrieben.
Das  von  Szilasi  vorgescfalagene  Verfahren,  die  Milch  direkt  zu  verwenden,  einige
Tropfen  derselben  auf  1  ccm  einer  2  %-igen  Diphenylamin-Schwefelsäurelösung  zu  schichten
und  ruhig  stehen  zu  lassen,  ist  nach  Möslinger  trügerisch  und  zu  verwerfen.
b)  Nachweis  mittels  Formaldehyd-Schwefelsäure.  E.  Fritzmann 2  3 )  beobachtete
bei'  gewässerten  Milchproben,  die  mit  Formaldehyd  haltbar  gemacht  waren,  bei
der  Ausführung  der  Ger  her  sehen  acidbutyrometrischen  Fettbestimmung  eine
Violettfärbung  anstatt  der  sonst  auftretenden  Braunfärbung.  Er  benutzt  daher
umgekehrt  eine  Formaldehyd  enthaltende  Schwefelsäure  vom  spez.  Gewicht  1,82,
die  er  in  demselben  Verhältnis,  wie  bei  den  acidbutyrometrischen  Verfahren  mit
Milch  vermischt,  dazu,  um  Nitrate  in  der  Milch  nachzuweisen,  indem  bei  Gegenwart
von  Nitraten  eine  violette  bis  tief  bl  au  violette  Färbung  auftritt.  Kleine  Mengen  von
Nitraten  entgehen  der  Beobachtung,  wenn  man  zu  viel  Formaldehyd  anwendet.
M.  Siegfeld 8 )  hat  vorgeschlagen,  die  Eeaktion  als  Eing-Eeaktion  auszuführen
und  die  auf  10  ccm  mit  einem  Tropfen  verdünnten  Formalins  versetzte  Milch  über
konzentrierte  Schwefelsäure  zu  schichten.  Die  Eeaktion  ist  bei  dieser  Ausführung
ungefähr  ebenso  scharf  wie  die  Diphenylamin-Eeaktion;  bei  Ungeübten  können  aber
durch  unvorsichtiges  Übereinanderschichten  leicht  Täuschungen  dadurch  entstehen,
daß  auch  bei  nitratfreier  Milch  rot  violette  Farbentöne  auftreten.
N.  Gerber  und  P.  Wieske 4  * )  schlagen  vor,  den  Formaldehyd  mit  der  konzentrierten ­
  Schwefelsäure  zu  mischen  und  dieses  Eeagens  mit  der  gleichen  Menge
Milch  zu  vermischen.
15.  Untersuchung  des  Milchserums.
Für  den  Nachweis  der  Wässerung  ist  neben  anderem  die  Untersuchung  des
Milchserums  oder  der  Molken,  d.  h.  der  beim  Gerinnen  der  Milch  von  Kasein  und
Fett  sich  abscheidenden  grünlich-gelben  Flüssigkeit  von  Bedeutung.  Da  der  Gehalt
der  Milch  an  Milchzucker  und  Mineralstoffen,  den  wesentlichsten  Bestandteilen  des
Serums,  ein  verhältnismäßig  sehr  gleichbleibender  ist,  schwankt  die  Zusammensetzung
des  Serums  viel  weniger  als  das  der  ganzen  Milch.
a)  Gewinnung  und  Untersuchung  des  Serums.  Zur  Gewinnung  des  Serums
gibt  man  von  der  zur  Untersuchung  eingelieferten  Milch  nach  gehöriger  Durchmischung ­
  derselben  etwa  100—200  ccm  in  einen  Erlen  in  eyer-Kolben,  wägt  und
erwärmt  denselben  —  falls  nicht  von  selbst  beim  Erwärmen  Gerinnung  eintritt,
was  man  an  einer  besonderen  kleineren  Probe  im  Eeagenzglase  feststellen  kann  —
unter  Zusatz  einiger  Tropfen  20  °/ 0 -iger  Essigsäure  unter  losem  Bedecken  des
Kolbens  kurze  Zeit  auf  etwa  40°,  bis  die  Milch  geronnen  ist.  Nach  dem  Erkalten
stellt  man  das  ursprüngliche  Gewicht  durch  Zusatz  von  Wasser  wieder  her,  mischt
gut  durch  und  trennt  durch  ein  Faltenfilter  —  nötigenfalls  unter  Eückgabe  des
ersten  Filtrates  auf  das  Filter  —  das  Serum  von  dem  Koagulum.
’)  Zeitschr.  f.  öffentl.  Chem.  1901,  7,  200;  Zeitsohr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungsu.
  Genußmittel  1902,  5,  171.
2 )  Zeitschr.  f.  öffentl.  Chem.  1897,  B.  23:  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.
Genußmittel  1898,  1,  337.
3 )  Molkerei-Ztg.  Hildesheim  1902,  16,  161;  Zeitsohr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungsu.
  Genußmittel  1902,  5,  867.
4 )  Molkerei-Ztg.  Berlin  1902,12,  61;  Zeitschr.  f,  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel ­
  1902,  5,  867.
            
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