Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

Vollmilch.  Nachweis  von  Salpetersäure  in  der  Milch.

485

Arbeiten  von  A.  E.  Leach,  H.  C.  Lytgoe,  A.  Leys  und  M.  W.  Blyth  usw.
verwiesen. 1 )
14.  Nachweis  von  Salpetersäure  in  der  Milch.
Da  die  Milch  im  natürlichen  Zustande  —  selbst,  wie  Schrodt  gefunden  hat,
nach  5-tägigem  Füttern  mit  Futterrüben  und  Kalisalpeter  —  keine  Salpetersäure
oder  salpetrige  Säure,  Brunnenwasser  dagegen  stets  mehr  oder  weniger  Salpetersäure
enthält,  so  kann  die  Prüfung  auf  Gehalt  an  letzterer  unter  Umständen  ein  Mittel
zur  Entscheidung  der  Frage  mit  abgeben,  ob  eine  Milch  gewässert  ist  oder  nicht.
Angeblich  soll  man  auch  in  manchen  Gegenden  den  sog.  Eübengeschmack  der  Milch
dadurch  zu  beseitigen  suchen,  daß  man  ihr  Salpeter  zusetzt.  Offenbar  handelt  es  sich
hierbei  um  weit  größere  Mengen  (20  g  auf  100  l) 2 )  als  durch  Wässerung  in  die  Milch
gelangen  werden.  Ferner  ist  zu  berücksichtigen,  daß  Spuren  von  Salpetersäure  von  dem
an  den  Milchgefäßen  etwa  anhängenden  Wasser  herrühren  können,  mit  dem  die  Gefäße
ausgespült  wurden.  Auf  weitere,  aber  wohl  praktisch  kaum  in  Frage  kommende  Möglichkeiten, ­
  durch  welche  Nitrate  in  die  Milch  gelangen  können,  haben  N.  Gerber  und
P.  Wieske 3 )  hingewiesen.  Selbstverständlich  kann  man  überhaupt  nicht  allein  auf  Grund
einer.Nitrat-Reaktion  eine  Milch  als  gewässert  bezeichnen;  es  muß  vielmehr  stets  die  ganze
Zusammensetzung  der  Milch  in  Rücksicht  gezogen  werden.
a)  Nachweis  mittels  Diphenylamin-Schwefelsäure.  Dem  ursprünglichen  Verfahren ­
  von  Fr.  Soxhlet 4 )  hat  Möslinger 5 )  auf  Grund  eingehender  Versuche
folgende  Form  gegeben:
1.  100  ccm  Milch  werden  unter  Zusatz  von  1,5  ccm  20°/ 0 -iger  Chlorcalcium  -
lösung  aufgekocht  und  filtriert.
2.  20  mg  Diphenylamin  werden  in  20  ccm  verdünnter  Schwefelsäure  (1  Volumen ­
  Schwefelsäure  -[-  3  Volumen  Wasser)  gelöst  und  diese  Lösung  zu  100  ccm  mit
reiner  konzentrierter  Schwefelsäure  aufgefüllt.
3.  2  ccm  der  Diphenylaminlösung  (2)  werden  in  ein  kleines  weißes  Porzellanschälchen ­
  gebracht.  Alsdann  läßt  man  vom  Filtrat  (1)  1 / 2  ccm  tropfenweise  in  die
Mitte  der  Lösung  fallen  und  das  Ganze,  ohne  zu  mischen,  2—3  Minuten  ruhig  stehen.
Erst  dann  bewege  man  die  Schale  anfangs  langsam  hin  und  her,  lasse  wieder  einige
2eit  stehen  u.  s.  f.,  bis  die  bei  Vorhandensein  von  Salpetersäure  zunächst  auftretenden,
mehr  oder  weniger  intensiv  blauen  Streifen  sich  verbreitert  haben  und  schließlich  die
ganze  Flüssigkeit  gleichmäßig  mehr  oder  weniger  stark  blau  gefärbt  erscheinen  lassen.
Auf  diese  Weise  lassen  sich  nach  Möslinger  noch  eben  2  mg,  ganz  deutlich
aber  noch  3—4  mg  Salpetersäure  in  1  1  Milch  nachweisen.
Wenn  kleinere  Mengen  Salpetersäure  vorhanden  sind,  werden  450  ccm  Milch
mit  6—7  ccm  (jgj.  20  °/ 0 -igen  Chlorcalciumlösung  aufgekocht,  das  Filtrat,  (etwa
300  ccm)  mit  2  ccm  konzentrierter  Schwefelsäure  versetzt  und  hiervon  etwa  120
bis  150  ccm  abdestilliert.  Das  Destillat  wird  mit  Natronlauge  schwach  alkalisch
gemacht,  über  der  Flamme  in  der  Platinschale  auf  etwa  5  ccm  eingedampft  und
. lese  Lösung,  wie  oben  das  Milchfiltrat  selbst,  in  der  beschriebenen  Weise  geprüft.
')  Vergl.  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1898,  1,  651;  1899,
’  j  ;  1900,  3,  646;  1901,  4,  611  und  1903,  0,  228  und  A.  B.  Leach,  Food  inspeotion
n<1  amdysis.  Newyork  1904.  8.  134.
2 )  Milch-Ztg.  1881,  10,  645,  765,  807.
3 )  Molkerei-Ztg.  Berlin  1902,  12,  61;  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u,
^nußmittel  1902,  5,  867.
.  )  Das  nach  Behandlung  mit  Chlorcalcium  erhaltene  Filtrat  wird  mit  einigen  Tropfen
mü  i  ■^° DZentr ^ er * :en  Schwefelsäure,  welche  2%  Diphenylamin  enthält,  versetzt  und  diese
c  !ge  Flüssigkeit  auf  konzentrierte  Schwefelsäure  geschichtet.
)  Bericht  üb.  d.  7.  Versammlung  bayer.  Chemiker  in  Speier  1888.  Berlin  1889.  S.  88.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.