Vollmilch. Untersuchung des Milchserums.
487
P. Eadulesku') verwendet auf 100 ccm Milch 2 ccm einer 20 °/ 0 -igen Essigsäure
und erwärmt die Mischung, ohne umzurühren, in einem bedeckten Becherglase — oder
besser in einer geschlossenen Flasche — 6 bis 10 Minuten im Wasserbade 2 ) von 75—85°, wobei
der Inhalt des Becherglases bezw. der Glasflasche nach 6 Minuten auf 65—65° steigt.
Sambuo koaguliert mit einer alkoholischen Weinsäurelösung von annähernd dem
mittleren spezifischen Gewicht der Milch.
Es empfiehlt sich nicht, wie dies früher vorgeschlagen worden ist, das Serum
durch freiwillige Säuerung der Milch zu gewinnen, da bei dieser Säuerung und auch
nach Eintritt der Gerinnung infolge der Bildung der Milchsäure aus dem Milchzucker
eine ständige Abnahme des Trockensubstanzgehaltes und auch des spezifischen Gewichtes
des Serums eintritt; das letztere nimmt bei Zimmertemperatur von Tag zu
Tag um etwa 0,0002—0,0007 ab. Wir fanden bei 3 Milchproben zwischen dem
sofort mit Essigsäure hergestellten Serum und dem durch freiwillige Gärung gewonnenen
Unterschiede von 0,0006— 0,0013.
Ä. Reinsch und H. Lührig 8 ) dagegen beobachteten bei im Brutschrank
geronnener Milch nach Eintritt dieses Gerinnens auffallenderweise nur Abnahmen
von 0,00002—0,00037 in den nächsten 24 Stunden, obwohl sie im Gegensatz hierzu
eine beträchtliche Abnahme des Trockensubstanzgehalts beobachteten, vergl. S. 469.
Das spezifische Gewicht des Serums reiner Milch ist ziemlich konstant;
Dietzsch findet es zu 1,027—1,029; Klingen zu 1,026—1,0317, im
Mittel zu 1,028; P. Vieth 4 ) zu 1,028—1,0302; v. Raumer und Spaeth 5 ) zu 1,026
bis 1,033. Einem spezifischen Gewicht der natürlichen Milch von 1,033 und höher
entspricht nach Vieth ein spezifisches Gewicht der Molken von 1,029, dem von
Milch =- 1,032—1,033 ein solches der Molken von 1,0285—1,029; bei weniger gehaltreicher
Milch mag das spezifische Gewicht der Molken wohl auf 1,028—1,027 sinken,
aber sicher nicht darunter. Letztere Angabe wird von P. Radulesku und von
Samhuc 0 ) bestätigt. P. Vieth findet ferner, daß das spezifische Gewicht der
Molken für je 1° Temperaturerhöhung um 0,00032 oder um 0,32° des Laktodensimeters
abnimmt.
P. Radulesku empfiehlt, im Serum neben dem spezifischen Gewicht auch stets
Trockensubstanz und Fett zu ermitteln. Das Serum oder die Molke von normaler
Kuhmilch enthält 6,30—7,50% Trockensubstanz und 0,22—0,28% Fett; durch Zusatz
von 10% Wasser zur Milch wird der Gehalt an Trockensubstanz um 0,3 bis
0;5 %, der an Fett um 0,02 %, das spezifische Gewicht um 0,0005—0,0010 erniedrigt.
A. Villiers und W. Bertault, 7 ) Fr. Utz, 8 ) A. Lam, 0 ) M. Rippen, 10 )
H. Matthes und F. Müller 11 ) haben vorgeschlagen, die Refraktion des Milchserums
z u bestimmen.
] ) Mitteilungen aus dem Pharm. Institut und Laboratorium f. angew. Chemie in
Erlangen von A. Hi lg er 1890, 3, 93.
2 ) Dasselbe soll nicht bis zum Sieden erhitzt werden, weil sonst außer Kasein auch
Albumin feinflockig gerinnt und ein trübes Filtrat erhalten wird.
3 ) Zeitsohr. f. Untersuchung d. Nahrungs u. Genußmittel 1900, 8, 521.
4 ) Forschungen auf dem Gebiete der Viehhaltung. Heft 15. S. 332.
6 ) Milch-Ztg. 1896, 25, 185.
8 ) Zeitschr. f. analyt. Chem. 1888, 27, 94.
7 ) Monit. scientifique 1898, [4] 12. I, 270; Zeitsohr. f. Untersuchung d. Nahrungs-11
■ Genußmittel 1898, 1, 651.
8 ) Milch-Ztg. 1902, 31, 49.
9 ) Chem.-Ztg. 1903, 27, 280.
10 ) Milch-Ztg. 1903, 32, 610.
U ) Zeitschr. f. öffentl. Chem. 1903, 10, 173.